Wenn Sie vor der Hebeschiebetür den Blick in den Garten behalten wollen, ist der ZIP-Screen die passendere Wahl. Wenn Sie Tageslicht gezielt lenken, den Raum stufenlos abdunkeln und im Winter die Sonne bewusst hereinlassen wollen, ist der Raffstore im Vorteil. Beides sind außenliegende Systeme, beide halten die Wärme vor der Scheibe – der Unterschied liegt nicht in der Qualität, sondern in der Nutzung.
Und wenn die Fläche windexponiert liegt? Dann entscheidet – anders als oft behauptet – nicht der Systemtyp, sondern der für Ihr Maß und Ihre Führungsart angegebene Windwert. Ein Raffstore mit seitlich geschlossenen Führungsschienen steht einem Screen dabei kaum nach; deutlich wird der Vorsprung des Screens vor allem gegenüber Raffstoren mit Seilführung. Warum das so ist und warum die Klassenzahlen in den Prospekten hier in die Irre führen, steht weiter unten.
Ein ZIP-Screen ist ein Textilgewebe, das seitlich in einem Reißverschluss-Profil (englisch zipper) geführt wird. Ein Raffstore ist ein Paket aus Aluminiumlamellen, die sich nicht nur hoch- und runterfahren, sondern auch kippen lassen. Aus diesen zwei Bauarten folgt alles Weitere: Windverhalten, Sicht, Verdunkelung, Reinigung und der Detailpunkt, der bei Schiebetüren am häufigsten unterschätzt wird – die Führungsschiene im Bodenbereich.
Der ZIP-Screen arbeitet als geschlossene Fläche. Das Gewebe wird oben aus einer Kassette abgerollt und läuft in den seitlichen Schienen so, dass es nicht ausrasten kann. Es gibt keine beweglichen Einzelteile in der Fläche, nichts klappert, und die Behangfläche bleibt auch bei Böen straff. Wie viel Sie hindurchsehen, entscheidet der Öffnungsfaktor des Gewebes: ein sehr offenes Gewebe lässt viel Restsicht und Restlicht durch, ein dichtes Gewebe kaum noch. Die Sicht ist dabei immer gerichtet – von innen nach draußen funktioniert sie tagsüber gut, nachts kehrt sich der Effekt bei eingeschaltetem Licht um.
Der Raffstore arbeitet als Lamellenfeld. Sie können ihn vollständig hochfahren, komplett herunterfahren und – das ist der eigentliche Punkt – die Lamellen dazwischen in jedem Winkel stellen. Damit lenken Sie Licht an die Decke, während der direkte Blendbereich abgeschattet bleibt. Der Raum wirkt hell, aber nicht überhitzt. Vollständig geschlossene Lamellen kommen einer echten Verdunkelung nahe, ohne sie in jedem Fall zu erreichen: Restlicht dringt an den Lamellenkanten und seitlich an der Führung ein.
Wichtig für alles Weitere: Raffstoren gibt es in sehr unterschiedlichen Führungsarten – mit seitlich geschlossenen Führungsschienen, mit offenen Schienen oder nur mit Seilführung. Dieser Unterschied ist beim Wind größer als der Unterschied zwischen den beiden Systemfamilien.
Vor großen Glasflächen ist Wind das entscheidende technische Kriterium – nicht der Preis. Beide Systeme werden windtechnisch eingeordnet, aber sie werden es nicht auf vergleichbare Weise. Wer das nicht weiß, vergleicht Zahlen, die nichts miteinander zu tun haben.
ZIP-Screens werden je nach Produktbereich nach der einschlägigen Produktnorm klassifiziert. Windklasse, Prüfdruck und zulässige Einsatzgrenze sind unterschiedliche Angaben und dürfen nicht pauschal in km/h umgerechnet werden. Maßgeblich sind Leistungserklärung, Größenfreigabe und Betriebsanleitung des konkreten Systems.
Beim Raffstore führt dieselbe Frage zu einer Besonderheit, die man kennen muss: Weil das Prüfverfahren nach DIN EN 1932 für Raffstoren mechanisch nicht praxistauglich ist, wird in der Leistungserklärung nach EN 13659 (Abschlüsse und Außenjalousien) in der Regel Windklasse 0 deklariert. Das ist kein Mangel des Produkts, sondern eine Lücke der Prüfnorm – eine Revision ist angekündigt. Maßgeblich sind beim Raffstore stattdessen die vom Hersteller angegebenen Windgrenzwerte in Beaufort beziehungsweise km/h nach der Technischen Richtlinie der Branche (ift-Anwendungsempfehlung). Wer beim Raffstore-Anbieter nach einer Windwiderstandsklasse fragt, bekommt deshalb häufig eine 0 zurück – und die sagt über die tatsächliche Belastbarkeit nichts aus.
Praktisch heißt das: Verlangen Sie beim Screen die Windwiderstandsklasse für Ihr konkretes Maß, beim Raffstore den Windgrenzwert für Ihre Breite, Ihre Lamelle und Ihre Führungsart. Zwei Dinge gelten dabei für beide Systeme:
Und wer ist nun robuster? Systembedingt hat der Screen einen echten Vorteil: Das Gewebe ist beidseitig im Zipper-Profil verriegelt, kann bei Böen nicht ausfädeln, und die Last wird flächig in die Schienen abgetragen. Eindeutig ist dieser Vorteil aber vor allem gegenüber Raffstoren mit Seilführung oder offenen Führungsschienen – dort sinken die Herstellerangaben bei rund 4 m Breite teils auf etwa 28–48 km/h. Ein schienengeführter Raffstore kann je nach Größe, Lamelle und System hohe Herstellergrenzwerte erreichen. Ein direkter Vergleich ist nur möglich, wenn dieselbe Bezugsgröße und konkrete Elementabmessungen verwendet werden; eine Umrechnung verschiedener Klassifizierungen in gemeinsame km/h-Werte ist nicht belastbar.
Ein Wind- oder Wettersensor gehört übrigens zu beiden Systemen – auch ein Screen muss oberhalb seines Grenzwerts einfahren, und bei Klasse 3 ist diese Grenze mit rund 49 km/h schneller erreicht, als viele denken. Beim Raffstore, besonders bei Seilführung, ist der Sensor nur noch weniger verhandelbar. Er gehört bei beiden Systemen zur Anlage und nicht ins Zubehörregal.
Für den Alltag heißt das: An einer geschützten Loggia spielt der Unterschied kaum eine Rolle. An einer nach Westen offenen Terrassenfront mit 5 m Glas entscheidet nicht der Systemname, sondern die Führung und der Grenzwert für Ihr Maß – ein Sonnenschutz, der bei jedem Wind hochfährt, schattet nicht.
Hier ist die Rangfolge dagegen eindeutig. Der Raffstore ist das einzige der beiden Systeme, das Licht steuert statt nur reduziert. Sie können am Vormittag flach stellen, mittags schließen, nachmittags wieder öffnen – ohne die Fläche zu bewegen. Das ist bei Arbeitsplätzen am Fenster und bei Räumen mit tiefem Grundriss ein spürbarer Komfortgewinn.
Der ZIP-Screen kennt diese Zwischenstufen nicht. Er ist unten oder oben – oder auf halber Höhe, was optisch selten überzeugt. Dafür kann er etwas, das der Raffstore nicht kann: abschatten und trotzdem den Ausblick erhalten. Wer eine Panoramafläche gerade deshalb eingebaut hat, um sie anzusehen, empfindet ein geschlossenes Lamellenfeld oft als Rückschritt. Wenn Sie noch am Anfang stehen und die Verglasung selbst planen, lohnt es sich, den Sonnenschutz gleich mitzudenken – die Zusammenhänge zwischen Scheibenaufbau, Fläche und Verschattung haben wir bei den Grundlagen zu Panoramafenstern beschrieben.
Zum Thema Verdunkelung eine nüchterne Einordnung: Für einen echten Blackout im Schlafzimmer ist keines der beiden Systeme das erste Mittel. Ein Rollladen mit dichtem Panzer und geschlossenen Endlagen kommt näher heran. Raffstore und dichter Screen kommen auf „deutlich dunkel“, nicht auf „stockdunkel“ – erwarten Sie das nicht, sonst ist die Enttäuschung eingebaut.
Beide Systeme lösen dasselbe physikalische Problem richtig: Sie halten die Strahlung vor der Scheibe ab – ob stattdessen ein Sonnenschutzglas am neuen Fenster reicht, ist eine eigene Abwägung. Ein innenliegender Behang bremst die Wärme erst, wenn sie schon im Raum ist. Rechnerisch wird das über den Abminderungsfaktor Fc abgebildet (Grundlage: DIN 4108-2, Tabelle der Fc-Werte). Außenliegende Systeme erreichen deutlich niedrigere – also bessere – Fc-Werte als innenliegende, und genau darin liegt der gemeinsame Vorteil von Screen und Raffstore.
Konkrete Fc-Werte sollten Sie nicht aus einem Blogartikel übernehmen, auch nicht aus diesem. Sie hängen vom Gewebe, von der Lamellenstellung, von der Hinterlüftung und vom Glas dahinter ab und stehen im Datenblatt des jeweiligen Produkts beziehungsweise in der Tabelle der Norm. Für einen Nachweis nach GEG ist ohnehin die Angabe zum konkret verbauten Produkt maßgeblich, nicht ein Erfahrungswert. Stand: 17. Juli 2026.
An Fenstern ist die Entscheidung eine Geschmacksfrage. An einer Hebeschiebetür wird sie zur Bauaufgabe, weil beide Systeme in der windfesten Ausführung seitliche Führungsschienen bis nach unten brauchen – und die stehen genau dort, wo Sie gehen. Genau hier zahlt sich die Erkenntnis von oben aus: Der Raffstore ohne geschlossene Führung spart Ihnen die Schiene, kostet Sie aber einen großen Teil der Windfestigkeit.
Diese Punkte klären Sie besser vor der Bestellung als danach:
| Kriterium | ZIP-Screen | Raffstore |
|---|---|---|
| Behang | Textilgewebe, seitlich im Zipper verriegelt | Aluminiumlamellen, kippbar |
| Windangabe | Windwiderstandsklasse nach EN 13561; Skala endet bei Klasse 3 (rund 49 km/h), immer maßabhängig | Windgrenzwert in bft/km/h nach Technischer Richtlinie; EN-13659-Klasse i.d.R. 0 (Prüfnorm untauglich) |
| Windverhalten in der Praxis | Gewebe kann nicht ausfädeln; kann stabiler sein, als die Klasse ausdrückt | mit geschlossener Führung herstellerabhängig ca. 6–8 bft (48–72 km/h); mit Seilführung deutlich weniger |
| Windsensor | erforderlich | erforderlich, bei Seilführung besonders |
| Ausblick bei geschlossenem Behang | bleibt erhalten (je nach Öffnungsfaktor) | nur bei geöffneten Lamellen, dann streifenweise |
| Lichtlenkung | nein, nur auf/ab | ja, stufenlos über den Lamellenwinkel |
| Abdunkeln | je nach Gewebe stark, kein Blackout | stark, kein Blackout |
| Geräusch | sehr leise, kein Klappern | Lamellen können bei Wind hörbar sein |
| Insektenschutz | mit passendem Gewebe möglich | nein |
| Reinigung | Fläche abwaschbar, Gewebe altert | aufwendiger, Lamellen einzeln |
| Typische Eignung | breite Terrassenfronten, bei denen der Ausblick erhalten bleiben soll | Wohn- und Arbeitsräume mit Blendschutzbedarf |
Belastbare Preisspannen lassen sich seriös nur zu einem konkreten Maß, einer konkreten Steuerung und einer konkreten Einbausituation nennen – eine 5 m breite Anlage vor einer Hebeschiebetür ist ein anderes Produkt als ein 1 m breiter Screen vor einem Badfenster. Als Größenordnung gilt: Beide Systeme liegen deutlich über einem innenliegenden Behang, und der Unterschied zwischen ihnen ist meist kleiner als der Unterschied zwischen „vorgesetzt am Fertigbau“ und „im Sturz integriert“. Wer die Systeme vergleicht, sollte deshalb Angebote mit identischem Maß, identischer Motorik, identischer Führungsart und identischer Montageart nebeneinanderlegen – alles andere vergleicht Äpfel mit Aufmaß.
Vier Denkfehler tauchen bei diesem Vergleich regelmäßig auf:
DBFenster liefert und montiert Fenster, Türen und Tore und koordiniert den Sonnenschutz so, dass Schiene, Anschlussfuge und Schwelle zusammenpassen. Welche Systeme wir dabei beschaffen und verbauen, sehen Sie in der Übersicht unserer Produkte.
Fragen Sie sich, was die Fläche leisten soll. Soll sie ein Bild bleiben, das Sie auch bei Sonne ansehen wollen? Dann Screen. Soll der Raum bei Sonne hell und blendfrei arbeitsfähig bleiben, und wollen Sie im Winter die Sonne dosiert hereinlassen? Dann Raffstore. Die Windfrage entscheidet dagegen keiner der beiden Systemnamen für Sie – sie entscheidet sich an der Führungsart und an der Zahl, die der Hersteller für Ihr konkretes Maß angibt. Und wenn beide Antworten „ja“ lauten – das kommt öfter vor, als man denkt –, dann ist die ehrlichste Lösung nicht ein Kompromissprodukt, sondern zwei Systeme an zwei verschiedenen Fassaden. Was Sie in keinem Fall tun sollten: die Entscheidung so lange schieben, bis die Laibung verputzt und der Sturz zu ist.