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January 29, 2026

Windwächter beim Raffstore: Warum die Windklasse Ihnen nicht weiterhilft und wo der Sensor wirklich hingehört

Ein Raffstore hängt frei vor der Fassade und ist damit deutlich windempfindlicher als ein Rollladen in der Führungsschiene. Wer nun in der Leistungserklärung nach der passenden Windwiderstandsklasse nach DIN EN 13659 sucht, findet dort in aller Regel etwas Überraschendes: Windklasse 0. Das ist kein Mangel und kein schlechtes Produkt, sondern die ehrliche Konsequenz daraus, dass das Prüfverfahren für Raffstore keine sinnvolle Klassifizierung hergibt. Maßgeblich ist stattdessen die Einsatzempfehlung des Herstellers — ein Windgrenzwert in Metern pro Sekunde, abhängig von Größe, Führungsart und Einbausituation. Und dieser Wert nützt nur etwas, wenn ihn jemand überwacht: der Windwächter. Genau er wird in Angeboten oft als beliebiges Zubehör behandelt, und noch häufiger sitzt sein Sensor an einer Stelle, an der er den Wind gar nicht sieht, der die Anlage belastet. Dieser Beitrag ordnet ein, was die Klasse aussagt und was nicht, welcher Wert wirklich zählt, welche Sensortypen es gibt, wo sie hingehören und welche Einstellungen über Schutz oder Schaden entscheiden.

Inhaltsverzeichnis

Die Einordnung vorweg: Beim Raffstore zählt nicht die Klasse, sondern der Windgrenzwert

Ein Raffstore ist ein frei hängender Behang aus Aluminiumlamellen — er ist konstruktionsbedingt windempfindlicher als ein Rollladen. Die Windwiderstandsklasse nach DIN EN 13659 (Klassen 0 bis 6) ist für Rollläden ein brauchbares Maß. Für Raffstore ist sie es nicht: Das zugehörige Prüfverfahren nach DIN EN 1932 liefert für diese Produktgruppe keine sinnvolle Klassifizierung, weshalb Hersteller in der Leistungserklärung regelmäßig Windklasse 0 deklarieren und stattdessen einen Windgrenzwert in m/s als Einsatzempfehlung angeben.

Praktisch heißt das: Die Frage „Welche Windklasse brauche ich?“ führt beim Raffstore ins Leere. Die richtige Frage lautet: „Welche maximale Windgeschwindigkeit darf an meinem Element anstehen, und wer sorgt dafür, dass der Behang vorher oben ist?“ Das Zweite ist die Aufgabe des Windwächters. Er ist damit kein Zubehör, sondern Teil des Schutzkonzepts — und je exponierter das Objekt (Obergeschosse, freie Lage, Gebäudeecken, Fassaden ohne Windschatten), desto wichtiger werden sowohl eine windstabile Ausführung als auch eine saubere Sensorplatzierung. Der häufigste Planungsfehler ist dabei ein einzelner Sensor, der die tatsächlich belasteten Fassadenbereiche gar nicht mitbekommt. Stand: 17. Juli 2026.

Was die Windwiderstandsklasse nach EN 13659 wirklich aussagt — und was nicht

Außen liegende Abschlüsse — dazu zählen Rollläden und Raffstore — werden nach DIN EN 13659 in Windwiderstandsklassen von 0 bis 6 eingeteilt; Klasse 6 ist die höchste. Das Prüfverfahren ist in DIN EN 1932 festgelegt (aktuelle Fassung: DIN EN 1932:2013-09, „Abschlüsse und Markisen — Widerstand gegen Windlast — Prüfverfahren und Nachweiskriterien“).

Drei Punkte, die in Angeboten regelmäßig untergehen:

  • Beim Raffstore steht in der Leistungserklärung meist Klasse 0. Hier lohnt es sich, zwei Quellen sauber auseinanderzuhalten. Die Industrievereinigung Rollladen-Sonnenschutz-Automation (IVRSA) erklärt in ihrer Richtlinie Raffstore/Außenjalousien (Stand 01/2024), warum eine geprüfte Windwiderstandsklasse auf abweichende Maße nur schwer übertragbar ist und Hersteller deshalb Einsatzempfehlungen herausgeben müssen: Der Druckbeiwert cp schwankt wegen der dynamischen Bewegungen des Behangs stark, sodass sich aus einem statischen Prüfdruck keine belastbare Windgeschwindigkeit für Ihr Element ableiten lässt. Die Deklaration der Windklasse 0 selbst nimmt dagegen der Hersteller in seiner Leistungserklärung vor (im hier herangezogenen Beispiel ROMA, Stand 09/2025). Er formuliert es dort so: wegen mechanischer Unzulänglichkeiten der Testbeschreibung in DIN EN 1932 lasse sich für Raffstore keine sinnvolle Klassifizierung angeben; eine Revision der Norm sei geplant, bis dahin werde Windklasse 0 angegeben. Klasse 0 ist bei Raffstore also der Normalfall — kein Warnsignal.
  • Die Klasse ist nicht maßbezogen — und deshalb auf Ihr Element gar nicht übertragbar. DIN EN 1932 (Abschnitt 8.2.3) prüft an einer festgelegten Prüfgröße von 2000 × 2500 mm unter festgelegtem statischem Druck. Für Behänge anderer Abmessung sagt eine ausgewiesene Windwiderstandsklasse schlicht nichts aus. Eine Herstellerangabe „bis Klasse 6″ ohne weiteren Bezug ist damit keine Aussage über Ihr Element — nicht, weil die Klasse bei größeren Maßen sinkt, sondern weil sie außerhalb der Prüfgröße überhaupt nicht gilt. Die Größenabhängigkeit steckt in der Einsatzempfehlung, nicht in der Klasse: Konstruktionsbedingt nimmt die zulässige Windgeschwindigkeit mit zunehmender Behanggröße ab.
  • CE-Kennzeichnung und Leistungserklärung (DoP) sind eine Deklaration von Eigenschaften, kein Gütesiegel. Der Hersteller erklärt darin die Werte, die er für dieses Produkt deklariert. Genau dieses Dokument sollten Sie sich zu Ihrer Bestellung geben lassen — zusammen mit der Einsatzempfehlung Wind, denn erst die enthält den Wert, mit dem später gearbeitet wird.

Wie eine solche Einsatzempfehlung aussieht, zeigt das folgende Beispiel eines Herstellers. Es ist ausdrücklich kein allgemeingültiger Maßstab, sondern illustriert die Systematik — verbindlich sind immer die Werte des Herstellers Ihrer Anlage:

Ausführung (Beispiel ROMA, Stand 09/2025, Behanghöhe bis 2000 mm)Breite bis 1,0 mBreite bis 2,0 mBreite bis 3,0 m
Flachlamelle (FL), Seilführung17 m/s13 m/s13 m/s
Flachlamelle (FL), Führungsschienen17 m/s13 m/s13 m/s
Gebördelte Lamelle (GL), Seilführung17 m/s17 m/s13 m/s
Gebördelte Lamelle (GL), Führungsschienen17 m/s17 m/s17 m/s

Die Randbedingungen dieser Tabelle sind mindestens so wichtig wie die Zahlen. Die zitierten Werte gelten für Behanghöhen bis 2000 mm. Die Herstellertabelle selbst reicht bis 5000 mm Höhe — mit deutlich niedrigeren Grenzwerten: Bei der Flachlamelle mit Seilführung und einer Breite bis 2000 mm sind es statt 13 m/s nur noch 10 m/s bei 3500 mm Höhe und 8 m/s bei 5000 mm Höhe. Die Höhe ist also keine Fußnote, sondern die zweite Achse der Tabelle. Hinzu kommt der Fassadenabstand des Behangs: Die Tabellenwerte gelten bis 200 mm (bei Flachlamelle mit Seilführung und bei windstabiler gebördelter Lamelle: bis 100 mm). Bei mehr als 200 beziehungsweise 100 bis 300 mm ist auf den nächstkleineren Tabellenwert abzumindern, bei mehr als 300 bis 500 mm um zwei Stufen; darüber ist die Tabelle nicht mehr anwendbar. Bei Laibungsmontage darf umgekehrt auf den nächstgrößeren Tabellenwert erhöht werden — allerdings begrenzt auf maximal 17 m/s und nur bis zu einer Breite von 3000 mm.

Zwei weitere Punkte werden häufig mit dieser Tabelle vermengt, gehören aber nicht zu ihren Randbedingungen. Erstens das geschlossene Fenster: Das ist eine eigenständige Sicherheitsregel des Herstellers — ab Windstärke > 3 (3,5 m/s) muss das Fenster hinter dem Behang geschlossen sein. Zweitens die Ecksituation: Dass Tabellenwerte bei exponierten Lagen nicht mehr taugen, steht nicht in der Herstellertabelle, sondern in den Regelwerken zum Windschutz. Die Schweizer Norm SIA 342:2009 hält fest, dass die Tabellen bei exponierten Lagen — zum Beispiel bei der Montage übers Eck — nicht eingesetzt werden können, und die IVRSA-Richtlinie führt die Ecksituation als einen der Faktoren auf, die DIN EN 1932 nicht abbildet. Der Hersteller selbst formuliert allgemeiner: In jedem Fall seien bauliche Gegebenheiten und sonstige widrige Umstände wie eine windexponierte Lage oder die Windseite zu berücksichtigen. Und weil manche Hersteller ihre Windgrenzwerte je nach Montageuntergrund zusätzlich einschränken, gilt ohnehin: Maßgeblich sind immer die Angaben des jeweiligen Herstellers zu Ihrem Element. Diese Unterlagen legen wir bei den Anlagen, die wir liefern und montieren, zusammen mit den Daten aus unserem Produktprogramm für Fenster, Türen und Sonnenschutz in Ihre Objektdokumentation.

Seilführung oder Führungsschiene: die Entscheidung vor allem anderen

Bevor über Sensoren gesprochen wird, entscheidet die Konstruktion. Raffstore mit reiner Seil- oder Spannseilführung sind optisch schlank, windtechnisch aber das schwächere Konzept: Der Behang kann pendeln, die Lamellen schlagen gegen Laibung oder Glas. Führungsschienen aus Aluminium — seitlich an der Laibung oder direkt am Blendrahmen — nehmen Querkräfte auf und heben den zulässigen Windgrenzwert spürbar an, wie die Tabelle oben bei der gebördelten Lamelle zeigt.

Weitere konstruktive Stellschrauben sind die Lamellenform (windstabile, gebördelte Profile statt flacher Standardlamelle), die Lamellenbreite, das Gewicht der Endschiene, zusätzliche Seilführungen als Windsicherung bei größeren Breiten und die Verankerung des Kastens im Untergrund. Wichtig ist dabei nur eines: All das ist eine Systementscheidung des Herstellers, für die er einen Grenzwert angibt. „Wir nehmen stabilere Lamellen“ ohne zugehörige Herstellerangabe verbessert den zugesicherten Windgrenzwert nicht. Die Grenzwerte gelten zudem nur, wenn die empfohlene Anzahl an Trägern, Haltern und Führungen tatsächlich montiert ist.

Windwächter, Windmesser, Schwingungssensor — drei verschiedene Dinge

Der Begriff „Windwächter“ wird für mehrere technisch unterschiedliche Lösungen verwendet. Sie verhalten sich in der Praxis nicht gleich:

  • Anemometer (Schalenkreuz oder Ultraschall). Misst die Windgeschwindigkeit an seinem Montageort und löst über einen Schwellenwert aus. Das Schalenkreuz ist bewährt und günstig, hat aber bewegte Teile und kann bei Frost festfrieren. Ultraschallsensoren haben keine bewegten Teile, sind jedoch teurer. Bei der Sensorwahl gehören außerdem Speisung (230 V, 24 V, Batterie oder Photovoltaikzelle — Letztere braucht direktes Sonnenlicht), Kommunikationsweg (Kabel oder Funk) und die Frage, ob die Steuerung auch die Windrichtung verarbeiten soll, in die Planung.
  • Schwingungs- bzw. Vibrationssensor am Behang. Reagiert nicht auf Wind, sondern auf die tatsächliche Bewegung des Behangs. Er meldet damit erst, wenn die Anlage bereits arbeitet. Der Leitfaden für den Einsatz von Windwächtern empfiehlt ihn vor allem dort, wo die Strömungsverhältnisse komplex und uneinheitlich sind; platziert werden muss er dann so, dass er ausreichend Schwingungen aufnehmen kann.
  • Wetterstation. Kombiniert Wind, Sonne, Regen, teils Temperatur und Dämmerung, meist mit zentraler Steuerung (Bus- oder Funksystem). Für Anlagen mit mehreren Fassaden praktisch der Regelfall — aber nur, wenn der Montageort stimmt.

Entscheidend ist der Unterschied zwischen messen und schützen. Ein Windwächter liefert immer nur den Wert, der am Ort des Sensors herrscht. Ein Sensor, der dort misst, wo kein Wind ist, schützt nichts.

Wo der Sensor wirklich hingehört

Die Kernregel lautet: Der Messfühler muss sich möglichst in der freien, ungestörten Windströmung befinden. Wie ein Gebäude umströmt wird, ist dabei weniger intuitiv, als es klingt. Der „Leitfaden für den Einsatz von Windwächtern“ — hier in der Schweizer Fassung (VSR, Stand 10/2022); eine deutsche Fassung gibt die IVRSA heraus — beschreibt die maßgeblichen Effekte: An der angeströmten Fassade stellt sich bei etwa 80 % der Gebäudehöhe der maximale Winddruck ein — dort ist die Windgeschwindigkeit aber minimal, weil die Strömung abgebremst wird. Ein Anemometer mitten auf der Luvfassade kann also ausgerechnet dort unterschätzen, wo die Last am größten ist. Die höchsten Geschwindigkeiten und Turbulenzen treten an Gebäudeecken und Dachkanten auf, im Lee entstehen Verwirbelungen und Rückströmungen, und enge Nachbarbebauung kann über den Düseneffekt die fassadennahe Geschwindigkeit als groben Richtwert um bis zu 60 % erhöhen.

Montageort des SensorsBewertung
Dachwindwächter, frei angeströmtHöhe und Abstand nach Sensoranleitung und objektspezifischem Windkonzept festlegen
Sensoren je FassadenzoneAnzahl, Lage, Zonenzuordnung und Schwellen projekt- sowie herstellerspezifisch bestimmen
Zentraler Dachsensor für mehrere FassadenNur verwenden, wenn das Steuerungs- und Windkonzept die Übertragung auf die Fassadenzonen belastbar abbildet
Mitte der angeströmten FassadeKann wegen des Staubereichs zu niedrige Windgeschwindigkeiten erfassen
Unter Dachüberstand, Balkon oder in tiefer LaibungAbschirmung kann die Messung verfälschen; nur nach Sensor- und Planungsvorgabe
LeeseiteAls alleiniger Messort häufig ungeeignet; Rückströmungen und Verwirbelungen berücksichtigen
Innenhof, enge Gebäudelücke oder Nähe zu HindernissenDüsen- und Wirbeleffekte können die Messung in beide Richtungen verfälschen

Wichtig ist die ehrliche Einordnung der Grenzen: Der Leitfaden ist ausdrücklich für kleinere Gebäude oder einfache Geometrien gedacht. Die Positionierung lässt sich nur bei einfachen Gebäudeformen in einfachem Gelände ohne Hindernisse abschätzen; bei größeren Objekten oder komplexer Umgebung wird dringend empfohlen, Anzahl und Lage der Sensoren durch Simulation oder Windkanalmessung eines spezialisierten Unternehmens bestimmen zu lassen. Bei Objekten mit rundum belegten Fassaden gilt daher: ein Sensor an irgendeiner Fassade reicht nicht. Entweder ein sauber platzierter, frei angeströmter Dachsensor bei einfacher Kubatur — oder mehrere Sensoren mit zonenweise getrennten Gruppen und Schwellen. Wer stattdessen die Schwelle einfach konservativ tief setzt, fährt alle Behänge früher ein, auch die geschützten. Das ist der Komfortpreis der einfachen Lösung, und man sollte ihn vor der Montage besprechen, nicht danach.

Schwellenwert, Verzögerung, Einfahrzeit: die Einstellung entscheidet

Ein richtig platzierter Sensor mit falscher Parametrierung schützt ebenfalls nicht. Vier Größen müssen zusammenpassen:

  • Auslöseschwelle. Sie leitet sich aus dem Windgrenzwert der Einsatzempfehlung ab — und zwar für die konkrete Einbauhöhe und Einbausituation. Werden an einem Objekt Behänge unterschiedlicher Größe in einer Gruppe gefahren, muss die Schwelle dem schwächsten Element folgen, also dem mit dem niedrigsten Grenzwert. Übernehmen Sie keinen Wert aus einem Forum oder von einem anderen Objekt.
  • Sicherheitsfahrt ohne Verzögerung. Hier wird häufig falsch gedacht: Das Einfahren erfolgt sofort nach Auslösung — eine Ansprechverzögerung wäre genau der falsche Ort zum Sparen. Verzögert wird die Ausfahrt, um wiederholte windbedingte Sicherheitsfahrten in zu kurzen Abständen zu verhindern.
  • Einfahrzeit des Behangs. Ein großer Raffstore braucht spürbar Zeit bis in den Kasten. Der Leitfaden hält dazu ausdrücklich fest, dass bei schnell ansteigenden Windwerten trotz korrektem Signal Schäden entstehen können — die Schwelle muss deshalb so früh greifen, dass der Behang oben ist, bevor der kritische Wert ansteht.
  • Sperrzeit nach Windalarm. Nach dem Einfahren bleibt die Anlage je nach eingestellter Verzögerungszeit gesperrt — und zwar auch für den Handbetrieb. Sonst fährt sie in der nächsten Windpause wieder aus und wird von der übernächsten Böe erwischt.

Wichtig ist außerdem die Priorität in der Steuerung: Der Windwächter hat stets Vorrang vor anderer Sensorik wie Sonne und Regen und vor der manuellen Bedienung. Ein Windwächter, den die Sonnenautomatik oder ein App-Befehl überstimmen kann, ist keiner. Die Steuerung sollte zudem mehrere Fassadenbereiche mit unterschiedlichen Schwellenwerten verwalten können — und idealerweise Windspitzen speichern, damit sich im Reklamationsfall auslesen lässt, was tatsächlich anstand.

Die stillen Ausfallgründe: Strom, Funk, Verschmutzung

Ein Windwächter fällt selten spektakulär aus. Er fällt leise aus:

  • Stromausfall. Bei ausgefahrenem Behang bleibt dieser ohne Netz draußen — ausgerechnet im Sturm, der häufig mit Netzstörungen einhergeht. Wenn dieses Risiko für Sie relevant ist, gehört das Thema Notstromversorgung oder Notbedienung in die Planung und nicht in die spätere Reklamation.
  • Funkstrecke und Batterie. Funksensoren sind bequem, aber leere Batterien und gestörte Strecken melden sich nicht von selbst. Der Leitfaden setzt die Prioritäten klar: zuerst die exponierte, frei angeströmte Position bestimmen — dann das Funksignal prüfen und bei Bedarf verstärken, denn die Kommunikation zwischen Sensor und Zentrale muss jederzeit sichergestellt sein. Batterien sind nach Herstellervorgabe regelmäßig zu ersetzen.
  • Verschmutzung und Vereisung. Sensoren sind sauber und frei von Blättern, Schnee und Sonstigem zu halten; ein Schalenkreuz, das sich nicht mehr dreht, meldet Windstille. Manche Herstelleranleitungen verlangen deshalb, die Automatik ab einer Außentemperatur unter etwa 4 °C — insbesondere in Verbindung mit Niederschlag — zu deaktivieren und im Winter auf Handbedienung zu schalten; Schäden durch Frost und Schnee ordnen sie als höhere Gewalt ein. Auch jahreszeitliche Besonderheiten wie Laub, Frost und Schneehöhe gehören schon in die Wahl der Sensorposition.
  • Bauliche Veränderung. Ein nachträglich gepflanzter Baum, eine neue Nachbarbebauung oder eine Terrassenüberdachung kann eine ursprünglich gute Sensorposition Jahre später entwerten.

Daraus folgt eine simple Routine: Sichtprüfung und Funktionstest des Windwächters mindestens einmal jährlich, sinnvollerweise vor der Herbst- und Sturmsaison; der Zugang zum Sensor muss dafür dauerhaft gewährleistet sein. Der Leitfaden nennt dafür eine erfrischend praxisnahe Prüfmethode: Mit einem Akku-Laubbläser lässt sich die Funktion auslösen — dabei für festen Stand sorgen und mindestens 1 m Abstand zum Windwächter halten. Wenn Sie am ausgefahrenen Behang hantieren: Stopp-Punkt vorher festlegen, niemanden unter dem Behang arbeiten lassen und bei Arbeiten am Antrieb die 230-V-Zuleitung freischalten — die Details unterscheiden sich je nach Antriebs- und Steuerungshersteller, maßgeblich ist dessen Anleitung.

Gewährleistung, Garantie und wer am Ende verantwortlich ist

Zunächst eine Klarstellung, die oft anders behauptet wird: Eine ausdrückliche allgemeine Pflicht zum Einbau eines Windwächters ist nicht ersichtlich. Der Leitfaden hält in der Schweizer Fassung für Produkte, die unter die SN EN 13561 und SN EN 13659 fallen, ausdrücklich fest, dass sich aus der Bauproduktegesetzgebung, der Bauart oder der Nutzung eines Gebäudes keine Erfordernis für den Einbau von Windüberwachungseinrichtungen ableitet; diese Aussage bezieht sich also zunächst auf die Schweizer Normenfassungen. Eine entsprechende allgemeine Einbaupflicht ist aber auch in Deutschland nicht ersichtlich. Herstelleranleitungen empfehlen den Windwächter bei Raffstore in aller Regel dringend — die bestimmungsgemäße Verwendung obliegt dem montierenden Betrieb, der ordnungsgemäße Betrieb der Eigenverantwortung des Nutzers.

Beim Thema Windschaden werden dann zwei Ebenen verwechselt. Die gesetzliche Mängelhaftung greift, wenn die Anlage von Anfang an nicht der vereinbarten Beschaffenheit oder den anerkannten Regeln der Technik entsprach — etwa wenn ein exponiertes Element mit einem erkennbar zu niedrigen Windgrenzwert oder ohne funktionierendes Schutzkonzept eingebaut wurde. Eine Garantie ist demgegenüber eine freiwillige zusätzliche Zusage des Herstellers (§ 443 BGB) mit eigenen Bedingungen. Unabhängig davon findet sich in Bedienungs- und Pflegeanleitungen regelmäßig der Satz, dass Schäden durch Nichtbeachtung eben dieser Anleitung nicht der Gewährleistung unterliegen — und die Anleitung ist genau der Ort, an dem Windgrenzwert, Windwächter-Empfehlung und Bedienung bei Sturm stehen. Beide Ebenen bestehen unabhängig voneinander; eine Garantie ersetzt die gesetzliche Mängelhaftung nicht.

Für Sie als Bauherr heißt das ganz praktisch: Lassen Sie sich die Leistungserklärung, die Einsatzempfehlung Wind mit dem Grenzwert für Ihre Maße und Ausführung sowie ein kurzes Protokoll der tatsächlich eingestellten Werte aushändigen. Das ist im Streitfall belastbarer als jede mündliche Zusicherung — und wenn Sie unsicher sind, ob eine bestehende Anlage sinnvoll parametriert ist, lassen Sie das von einem Fachbetrieb für Sonnenschutzsteuerung prüfen. Konkrete rechtliche Bewertungen im Einzelfall gehören ohnehin in eine Rechtsberatung, nicht in einen Blogbeitrag.

Was Sie vor der Bestellung festlegen sollten

Fünf Punkte, die eine Raffstore-Planung windfest machen — und die man später nur teuer nachholt:

  • Exposition je Fassade benennen. Nicht „das Haus“, sondern jede Seite einzeln: Hauptwindrichtung, Geschoss, Abschattung, Ecklagen, Nachbarbebauung.
  • Windgrenzwert elementbezogen fordern. Nicht „Klasse 6 möglich“, sondern den Wert in m/s aus der Einsatzempfehlung für Ihre Maße — Breite und Höhe —, Ihre Führungsart und Ihren Fassadenabstand, schriftlich.
  • Führung entscheiden. Seil oder Schiene, Flach- oder gebördelte Lamelle — mit allen Konsequenzen für den Grenzwert, die Optik und das Laibungsdetail.
  • Sensorkonzept festlegen. Anzahl, Position, Zonenzuordnung, Priorität in der Steuerung, Verhalten bei Sensor- und bei Netzausfall.
  • Schnittstellen klären. Der Lieferant des Sonnenschutzes gibt den Windgrenzwert an den Steuerungslieferanten; der Programmierer oder Installateur stellt die Schwellen bei der Inbetriebnahme ein. Halten Sie schriftlich fest, wer welchen Schritt übernimmt — und wer die Werte dokumentiert.

Diese Punkte klären wir bei den Projekten, die wir betreuen, vor dem Aufmaß und nicht erst auf der Baustelle. Wenn Sie Ihre Fassade auf dieser Grundlage bewerten lassen möchten, schicken Sie uns Maße, Fassadenausrichtung und Lage am besten über unser unverbindliches Angebotsformular; wir stimmen das System mit dem Lieferanten ab, beschaffen die passende Ausführung und montieren sie samt zugehörigem Schutzkonzept.

Der Windwächter kostet einen kleinen Bruchteil der Anlage. Ein zerstörter Behang an einer drei Meter breiten Fassadenöffnung kostet ein Vielfaches — und der Ärger beginnt erst danach, bei der Frage, wer den Schwellenwert eingestellt hat. Deshalb gehören Windgrenzwert und Sensor in dieselbe Zeile des Angebots.

Häufig gestellte Fragen

Ist ein Windwächter beim Raffstore wirklich Pflicht oder nur sinnvolles Zubehör?
Eine ausdrückliche allgemeine Einbaupflicht ist nicht ersichtlich: Der „Leitfaden für den Einsatz von Windwächtern“ hält in der Schweizer Fassung (VSR) für Produkte, die unter die SN EN 13561 und SN EN 13659 fallen, fest, dass sich aus der Bauproduktegesetzgebung, der Bauart oder der Nutzung eines Gebäudes keine Erfordernis für Windüberwachungseinrichtungen ableitet; für Deutschland ist eine entsprechende allgemeine Pflicht ebenfalls nicht ersichtlich. Technisch gehört der Windwächter aber zum Schutzkonzept, und Herstelleranleitungen empfehlen ihn bei außen liegenden Raffstore in aller Regel dringend — denn der Windgrenzwert der Einsatzempfehlung nützt nur etwas, wenn jemand ihn überwacht. Zu beachten ist außerdem der Standardsatz der Bedienungs- und Pflegeanleitungen: Eine Nichtbeachtung der Anleitung kann Ansprüche beeinflussen; ob ein Schaden von gesetzlicher Mängelhaftung, Garantie oder Nutzerverantwortung erfasst ist, hängt jedoch von Ursache, Vertrag und Garantiebedingungen ab.
Das kann bei einfacher Geometrie ausreichen, ist aber nicht pauschal garantiert. Anzahl, Montagehöhe und Lage folgen der Sensoranleitung und dem objektspezifischen Windkonzept; bei mehreren Fassadenzonen oder komplexer Umgebung können mehrere Sensoren oder eine fachliche Strömungsbewertung nötig sein.
Diese Frage führt beim Raffstore ins Leere — in der Leistungserklärung steht dort in aller Regel Windklasse 0, und das ist der Normalfall, kein Mangel. Grund: DIN EN 1932 prüft an einer festgelegten Größe von 2000 × 2500 mm unter statischem Druck, während der Druckbeiwert beim Raffstore wegen der dynamischen Behangbewegung stark schwankt; eine sinnvolle Klassifizierung ist damit nicht möglich, eine Revision der Norm ist geplant. Maßgeblich ist stattdessen der Windgrenzwert in m/s aus der Einsatzempfehlung des Herstellers — abhängig von Breite und Höhe, Lamellenform, Führungsart und Fassadenabstand. Konstruktionsbedingt sinkt der zulässige Wert mit zunehmender Behanggröße, und Führungsschienen heben ihn gegenüber Seilführung an. Daneben gelten eigenständige Regeln: Das Fenster hinter dem Behang muss ab Windstärke > 3 (3,5 m/s) geschlossen sein, und bei exponierten Lagen wie einer Montage über Eck sind Tabellenwerte laut SIA 342:2009 nicht mehr anwendbar. Verbindlich ist immer die Angabe des Herstellers zu Ihrem Element.

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