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May 9, 2026

Schallschutzglas mit Akustik-VSG: Wann dickeres Glas allein nicht mehr reicht

Zwei Angebote, dieselbe Schallschutzklasse, ein deutlicher Preisunterschied – und als Begründung heißt es nur, das eine Glas sei dicker. Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob der Lkw morgens um fünf noch im Schlafzimmer zu hören ist. Mehr Glasmasse dämmt zwar zuverlässig die hohen Frequenzen, doch der tieffrequente Verkehrslärm verlangt nach einem anderen Werkzeug. Dickes Floatglas erzeugt sogar einen eigenen Schwachpunkt, der mit steigender Dicke genau in den kritischen Bereich wandert. Dieser Beitrag ordnet ein, was eine Akustik-Zwischenschicht technisch leistet, warum der Wert Rw allein in die Irre führt und welche eine Zahl Sie in jedem Angebot nachrechnen sollten.

Inhaltsverzeichnis

Die Einordnung vorweg: Dickeres Glas hilft gegen Lärm – aber es hilft ungleichmäßig. Masse dämpft vor allem die mittleren und hohen Frequenzen. Der tieffrequente Anteil, den ein anfahrender Lkw oder eine Straßenbahn erzeugt, wird von reiner Glasdicke nur schwach bekämpft, weil jede Isolierverglasung zwei bauartbedingte Schwachstellen hat: die Masse-Feder-Masse-Resonanz des Isolierglases und den Koinzidenzeinbruch. Beide erzeugen Einbrüche in der Dämmkurve – und ausgerechnet dickes Float-Glas verschiebt den Koinzidenzeinbruch nach unten, also in Richtung des Verkehrslärms. Genau hier setzt Akustik-VSG an: Die viskoelastische Zwischenschicht (Akustikfolie, früher auch Gießharz) verbindet eine hohe Scheibenmasse mit geringer Biegesteifigkeit und entschärft damit den Koinzidenzeinbruch. Die Masse-Feder-Masse-Resonanz dagegen ist keine Folienfrage, sondern eine Frage von Scheibenzwischenraum und Scheibenmasse. Deshalb liefern zwei Fenster mit derselben angegebenen Schallschutzklasse spürbar unterschiedliche Ergebnisse – wenn man nur auf Rw schaut und den Wert Ctr ignoriert.

Das Massegesetz: warum dickeres Glas überhaupt wirkt

Die physikalische Grundlage ist das Bergersche Massegesetz: Je schwerer ein Bauteil pro Quadratmeter ist, desto mehr Schallenergie hält es in der Regel zurück. Theoretisch bringt eine Verdopplung der flächenbezogenen Masse rund 6 dB, in der Praxis bleiben eher 4 bis 5 dB übrig. Glas wiegt etwa 2,5 kg pro Quadratmeter je Millimeter Dicke – eine 8-mm-Scheibe bringt also rund 20 kg/m² auf die Waage.

Wichtig ist dabei die Reichweite dieser Faustformel: Sie erklärt die Richtung, sie ersetzt aber keine Prüfung. Das BF-Merkblatt 017 „Schallschutzglas“ des Bundesverbandes Flachglas formuliert es unmissverständlich – eine rechnerische Ermittlung der Schalldämmung über das Flächengewicht der Glaseinheit sei „weder richtig noch zulässig“. Planen lässt sich die Schalldämmung, exakt bestimmen lässt sie sich nur durch Messung.

Daraus folgt zweierlei. Erstens: Wer von 4 mm auf 8 mm geht, gewinnt tatsächlich messbar. Zweitens: Der Gewinn ist logarithmisch, nicht linear. Um dieselben zusätzlichen 5 dB noch einmal zu holen, müssten Sie von 8 mm auf 16 mm gehen. Spätestens dort endet der Weg – nicht an der Physik, sondern an der Praxis: Profil-Glasfalz, Beschlagbelastung und Flügelgewicht setzen harte Grenzen. Bei einem VEKA Softline 82 sind laut Herstellerangabe maximal 54 mm Glasdicke möglich, bei Softline 76 maximal 48 mm. Ein sehr schwerer Akustikaufbau kann diese Grenze und die zulässige Flügelmasse des Beschlags erreichen, bevor er die gewünschten Dezibel erreicht.

Der Koinzidenzeffekt: die eingebaute Schwachstelle jeder Scheibe

Das Massegesetz gilt nicht über das ganze Frequenzband. Bei einer bestimmten Frequenz – der Koinzidenz-Grenzfrequenz – schwingt die Scheibe im Takt der auftreffenden Schallwelle mit und lässt Schall regelrecht durch. Die Dämmkurve bricht dort ein.

Entscheidend ist: Diese Frequenz sinkt mit steigender Glasdicke. Das BF-Merkblatt 017 gibt dafür eine einfache Näherung an: fg ≈ 12.000 Hz ÷ d (Dicke in Millimetern). Für Floatglas ergibt das rund 3.000 Hz bei 4 mm, rund 2.000 Hz bei 6 mm, rund 1.500 Hz bei 8 mm und rund 1.000 Hz bei 12 mm. Das ist die Pointe: Dickeres Glas gewinnt zwar über das Massegesetz, verlegt aber gleichzeitig seinen eigenen Schwachpunkt tiefer – in einen Bereich, der beim Straßenverkehr energiereicher ist. Ein Teil des Gewinns wird also wieder eingesammelt. Genau deshalb empfiehlt das Merkblatt, die Dicken von Außen- und Innenscheibe unterschiedlich zu wählen: Je asymmetrischer der Aufbau bei gleicher Gesamtglasdicke, desto höher in der Regel der Schalldämmwert, weil die beiden Scheiben dann nicht an derselben Stelle einbrechen.

Dazu kommt die zweite Schwachstelle: Zwei Scheiben plus Gas im Scheibenzwischenraum bilden ein Masse-Feder-Masse-System mit einer Resonanz, die die Dämmung im unteren Frequenzbereich mindert. Diese Resonanz bekämpft man nicht mit Folie, sondern über den Scheibenzwischenraum und die Scheibenmassen: Ein breiterer Scheibenzwischenraum (SZR) und schwerere Scheiben verschieben sie nach unten. Der asymmetrische Aufbau hilft dagegen gegen die Koinzidenz, nicht gegen die Resonanz – nach der Näherungsformel des BF-Merkblatts 017 (fr ≈ 1200 · √{(1/d1 + 1/d2) / dL}) wandert die Resonanz bei asymmetrischem Aufbau mit gleicher Glasmasse sogar leicht nach oben. Die beiden Stellschrauben sind also sauber zu trennen: Asymmetrie gegen den Koinzidenzeinbruch, SZR und Scheibenmasse gegen die Resonanz. Dass die Resonanz möglichst tief liegen soll, hilft doppelt, weil die Einzahlbewertung Frequenzen unter 100 Hz gar nicht berücksichtigt. Überbewerten sollte man den Effekt allerdings nicht: Das menschliche Ohr ist bei sehr tiefen Frequenzen vergleichsweise unempfindlich.

Was Akustik-VSG technisch anders macht

Verbund-Sicherheitsglas besteht aus zwei Scheiben mit einer Zwischenschicht. Bei Standard-VSG ist diese Zwischenschicht eine steife PVB-Folie – sie ist eine Sicherheitsfunktion (Splitterbindung, Resttragfähigkeit) und bringt akustisch nur wenig. Akustik-VSG verwendet stattdessen eine weichere, viskoelastische Zwischenschicht. Sie erlaubt eine minimale Schubverformung zwischen den beiden Scheiben und wandelt dabei Schwingungsenergie in Wärme um. Der Fachbegriff dafür ist innere Dämpfung (englisch: damping).

Der entscheidende Punkt ist die Kombination: Die elastische Verbindung zweier Einzelscheiben verbindet eine hohe Scheibenmasse mit einer geringen Biegesteifigkeit. Damit fällt der Schwachpunkt weg, den eine gleich schwere starre Scheibe zwangsläufig hätte. Das BF-Merkblatt 017 hält fest, dass dadurch die Schalldämmung „sowohl im unteren als auch im oberen Frequenzbereich deutlich verbessert“ wird – die Akustik-Zwischenschicht ist also kein reiner Kosmetiker für den Koinzidenzeinbruch, sie hebt breiter an. Was sie nicht leistet, ist das Beseitigen der Masse-Feder-Masse-Resonanz des Isolierglases; die bleibt eine Frage von Scheibenzwischenraum und Scheibenmasse. Deshalb ist die Frage „Akustikfolie oder einfach dickeres Glas“ falsch gestellt: Die beiden Prinzipien konkurrieren nicht, sie ergänzen sich – und was davon im Angebot ankommt, zeigt sich im Kennwert Ctr.

Gießharz-Verbundglas (zwei Scheiben, dazwischen ein ausgehärtetes Gießharz) arbeitet nach einem verwandten Prinzip und war historisch eine verbreitete Schallschutzlösung. Heute dominieren Akustikfolien, weil sie im industriellen Prozess besser beherrschbar sind. Wichtig, falls Ihnen ein Gießharzaufbau angeboten wird: Ob ein Gießharzverbund als Verbund-Sicherheitsglas im Sinne der Normenreihe EN ISO 12543 / EN 14449 gilt, hängt vom konkreten Produkt und seiner Deklaration ab – das gehört ins Angebot geschrieben, nicht vermutet. Relevant wird das überall dort, wo ohnehin Sicherheitsglas gefordert ist, etwa bei absturzsichernden Verglasungen nach DIN 18008-4 (aktuelle Ausgabe 2024-12; maßgeblich ist die im jeweiligen Bundesland bauaufsichtlich eingeführte Fassung).

Rw sagt zu wenig: die Spektrum-Anpassungswerte C und Ctr

Das bewertete Schalldämm-Maß Rw ist ein Einzahlwert. Er komprimiert eine ganze Frequenzkurve auf eine Zahl – und benutzt dafür ein Bezugsspektrum, das den tiefen Frequenzen wenig Gewicht gibt. Für den Lärm einer städtischen Durchgangsstraße ist das die falsche Brille.

Deshalb kennt die Norm EN ISO 717-1 zwei Korrekturwerte, die immer in Klammern hinter dem Rw stehen: C und Ctr. Sie gelten für den bauakustischen Bereich von 100 bis 3150 Hz und sind Produkteigenschaften, die sich aus der gemessenen Dämmkurve ergeben.

  • C (Spektrum Nr. 1) beschreibt eher höherfrequente Quellen – Wohnaktivitäten und Sprechen, Kinderspielen, Schienenverkehr mit mittlerer und hoher Geschwindigkeit sowie, was viele überrascht, Autobahnverkehr über 80 km/h.
  • Ctr (tr = traffic, Spektrum Nr. 2) beschreibt ein tieffrequent betontes Spektrum: städtischer Straßenverkehr, Schienenverkehr mit geringer Geschwindigkeit, Propellerflugzeuge und Diskomusik. Das ist Ihr Wert, wenn Sie an einer innerstädtischen Durchgangsstraße wohnen – dort, wo Fahrzeuge anfahren, bremsen und langsam rollen.

Die Zuordnung lohnt einen zweiten Blick: Nicht „Lkw“ an sich entscheidet, sondern die Verkehrssituation. Der anfahrende Lkw in der Stadt ist ein Ctr-Fall; die frei fließende Autobahn vor dem Grundstück ist nach dieser Systematik ein C-Fall. Wer die falsche Quelle zugrunde legt, optimiert am eigenen Bedarf vorbei.

Die Rechnung selbst ist simpel: Bei „Rw = 42 dB (-1; -5)“ bedeutet der zweite Klammerwert, dass für städtischen Straßenverkehr rechnerisch 42 – 5 = 37 dB anzusetzen sind. Ein Aufbau mit Rw = 40 dB (-1; -3) liegt bei Rw + Ctr = 37 dB – gegen diese Quelle also gleichwertig, obwohl der Katalogwert 2 dB schlechter klingt. Wer nur Rw vergleicht, vergleicht das Falsche.

Aufbauten im Vergleich

Die folgende Tabelle zeigt Orientierungswerte für das Glas (nicht für das fertige Fenster), wie sie in dieser Größenordnung bei üblichen Zweifach-Aufbauten mit 16 mm Scheibenzwischenraum vorkommen. Sie ersetzt keine Produktangabe: Verbindlich ist ausschließlich das Prüfzeugnis bzw. die Leistungserklärung des konkreten Produkts – Werte streuen je nach Hersteller, Folientyp und Prüfaufbau. Insbesondere C und Ctr variieren produktabhängig deutlich; die hier gezeigten Klammerwerte sind typische Größenordnungen, keine gemessenen Produktwerte. Drei weitere Einschränkungen gehören dazu: Laborwerte werden nach EN ISO 10140 an einer festgelegten Probengröße ermittelt (Glas 1,23 m × 1,48 m), die Messunsicherheit von Rw beträgt nach DIN EN ISO 12999-1 mindestens 1,2 dB, und rechnerisch ermittelte Schalldämmwerte dürfen laut BF-Merkblatt 017 weder für die Nachweisführung noch für die Leistungserklärung herangezogen werden. Liegen für einen Aufbau keine Messwerte vor, erlaubt DIN EN 12758 unter genormten Austauschregeln den Rückgriff auf ähnliche Aufbauten. Stand: Juli 2026.

Glasaufbau (Beispiel)Glasdicke gesamtRw (Glas), typ. GrößenordnungCCtrRw + Ctr
4 / 16 / 4 Float, symmetrisch24 mmca. 32 dB-1-4ca. 28 dB
6 / 16 / 4 Float, asymmetrisch26 mmca. 35 dB-1-4ca. 31 dB
8 / 16 / 6 Float, asymmetrisch30 mmca. 37 dB-2-6ca. 31 dB
8 / 16 / 33.2 mit Akustikfolieca. 31 mmca. 40 dB-1-4ca. 36 dB
44.2 Akustik / 16 / 66.2 Akustikca. 38 mmca. 45 dB-1-4ca. 41 dB
4 / 12 / 4 / 12 / 4 Dreifach, symmetrisch36 mmca. 33 dB-1-5ca. 28 dB

Die Beispielzeilen zeigen eine mögliche Tendenz, ersetzen aber keine Messung. Unterschiede bei Rw, C und Ctr dürfen nur aus Prüfwerten des konkret angebotenen Glas- oder Fenstersystems abgeleitet werden; Aufbau, Folie, Format und Randbedingungen beeinflussen das Ergebnis. Und Zeile 6 zeigt, dass ein symmetrisches Dreifachglas trotz mehr Gesamtdicke akustisch nicht automatisch besser ist als ein gutes Zweifachglas: Drei gleiche Scheiben mit zwei Federn bilden ein Resonanzsystem, das im tiefen Bereich Punkte kostet. Das BF-Merkblatt 017 formuliert es zurückhaltend, aber eindeutig: Dreifach-Isolierglas ist gegenüber Zweifach-Isolierglas bei nominell gleicher Dicke und Masse schalltechnisch „etwas ungünstiger“. Dreifachglas ist in erster Linie eine thermische Entscheidung, keine akustische.

Wie groß der Ctr-Abzug real ausfallen kann, zeigt ein Musterprüfbericht des ift Rosenheim, den das BF-Merkblatt 017 abdruckt: Ein Dreifach-Wärmedämmglas 8/12/4/12/6 mit Argonfüllung und 45,2 kg/m² Flächengewicht kommt auf Rw (C; Ctr) = 38 (-2; -6) dB. Gegen städtischen Straßenverkehr bleiben davon 32 dB – trotz eines Aufbaus, der auf dem Papier schwer und dick wirkt.

Warum zwei Angebote „derselben Klasse“ verschieden sind

In vielen Angeboten steht eine Schallschutzklasse (SSK 1 bis 6). Diese Einteilung stammt aus der VDI-Richtlinie 2719 (Ausgabe 1987-08) – und damit aus einem privatrechtlichen Regelwerk, nicht aus einer bauaufsichtlich eingeführten Norm. Das BF-Merkblatt 017 unterscheidet genau hier: öffentlich-rechtliche Anforderungen richten sich nach DIN 4109, privatrechtliche nach VDI. Die Ausgabe 1987-08 wird bei DIN Media weiterhin als gültige Technische Regel geführt; sie ist und bleibt aber ein privatrechtliches Regelwerk (Stand: Juli 2026). Für Ihren Vertrag ist ohnehin maßgeblich, was konkret vereinbart wurde.

Wichtiger als die Herkunft ist die Auflösung: Die Klassen umfassen laut Richtlinie jeweils einen 5-dB-Bereich (die höchste Klasse ist nach oben offen). „SSK 3″ bedeutet also ein Fenster im Bereich von 35 bis 39 dB. Zwischen dem unteren und dem oberen Rand derselben Klasse liegen damit bis zu 4 dB – und in dieser Spanne verstecken sich zwei völlig unterschiedliche Angebote. Ein Klassenname ist eine Schublade, kein Messwert.

Rechtlich relevant ist im Neubau ohnehin nicht die Klasse, sondern das nach DIN 4109-1 (Ausgabe 2018-01, in der jeweils bauaufsichtlich eingeführten Fassung des Landes) erforderliche Gesamtschalldämm-Maß der Außenbauteile, abgeleitet aus dem maßgeblichen Außenlärmpegel am Bauort. Die Anforderungen richten sich dabei an das gesamte Außenbauteil aus Wand, Fenster und Tür. Was Ihr Fenster leisten muss, hängt also von der Lärmsituation und vom Raumtyp ab – das ist eine Planungsfrage und keine Katalogfrage. Bei konkreten Anforderungen aus einer Baugenehmigung oder einem Schallschutznachweis lassen Sie die Zielwerte vom Planer oder einem Fachbetrieb für Bauakustik festlegen, bevor Sie Glas bestellen.

Rahmen, Dichtung, Fuge: das Fenster dämmt, nicht die Scheibe

Der häufigste teure Irrtum: Man kauft Glas mit Rw 45 dB und bekommt ein Fenster mit deutlich weniger. Das ist kein Mangel, sondern Systemlogik – beim Wärmeschutz klafft dieselbe Lücke zwischen dem beworbenen Ug-Wert des Glases und dem Uw-Wert des Fensters. Deklariert wird nach EN 14351-1 das Fenster mit Rw (C; Ctr), ermittelt aus der Prüfung nach EN ISO 10140 – und dieser Wert wird durch die schwächste Komponente begrenzt.

Dabei gibt es eine nützliche Faustgrenze: Bis etwa 40 dB ist der Einfluss des Fensterrahmens laut BF-Merkblatt 017 gering – dort bestimmt im Wesentlichen die Verglasung das Ergebnis. Oberhalb dieser Schwelle kippt das Verhältnis: Rahmen, Verriegelungen, Fugendichtungen und Baukörperanschlüsse entscheiden mit. Genau deshalb scheitern ambitionierte Akustikaufbauten selten am Glas und häufig am Drumherum – beim Wärmeschutz zeigt sich derselbe Effekt daran, welchen Anteil der Rahmen über den Uf-Wert am Uw-Wert hat.

Die üblichen Schwachstellen

  • Dichtungsebenen: Ein Profil mit Mitteldichtung (MD, drei Dichtungsebenen) hat gegenüber der Anschlagdichtungs-Variante (AD, zwei Ebenen) akustisch die bessere Ausgangslage. VEKA führt Softline 82 und 76 jeweils in beiden Varianten.
  • Die Anschlussfuge: Eine akustisch nicht durchgehend abgedichtete Bauanschlussfuge ruiniert das Ergebnis. Die Ausführung ist im Leitfaden zur Montage von Fenstern und Haustüren von ift Rosenheim und RAL-Gütegemeinschaft beschrieben – das ist ein Leitfaden im Sinne der anerkannten Regeln der Technik, keine Norm, und er verlangt eine geplante Anschlussausbildung statt einer Standardlösung.
  • Der Rollladenkasten: Ein alter, ungedämmter Kasten über dem Fenster ist häufig das eigentliche Schallleck. Ein 45-dB-Fenster darunter ist verschenktes Geld.
  • Lüftungselemente: Jede Falzlüftung ist eine geplante Öffnung – akustisch entsprechend zu bewerten.
  • Kippstellung: Ein normal gekipptes Fenster verliert den größten Teil seiner Schalldämmung; der Spalt wirkt wie eine offene Fuge. Es gibt eigens dafür geprüfte Konstruktionen – schallgedämmte Lüftungsfenster, die die Zuluft über Kassetten im Rahmen führen und auch in Kippstellung noch nennenswerte Werte halten. Das sind Sonderkonstruktionen mit eigenem Prüfnachweis, kein Standardfenster. Wer Schallschutz braucht, braucht in jedem Fall ein Lüftungskonzept dazu.

So prüfen Sie ein Angebot in fünf Minuten

  • Steht der Wert für das Fenster da oder nur für das Glas? Nur der erste zählt.
  • Stehen die Klammerwerte dabei – Rw (C; Ctr)? Fehlen sie, fordern Sie sie an.
  • Rechnen Sie Rw + Ctr und vergleichen Sie diese Zahlen – vorausgesetzt, Ihre Lärmquelle ist tatsächlich ein Ctr-Fall.
  • Ist der Aufbau asymmetrisch und enthält er mindestens eine Scheibe mit Akustik-Zwischenschicht?
  • Passt die Glasdicke in den Glasfalz des angebotenen Profils, und trägt der Beschlag das Flügelgewicht?

Wenn Sie diese fünf Punkte klären, verschwindet der scheinbare Widerspruch zwischen zwei Angeboten derselben Klasse fast immer von selbst. Welche Systeme und Profiltiefen dafür überhaupt in Frage kommen, sehen Sie in der Übersicht unserer Fenstersysteme; DBFenster beschafft die Elemente beim Hersteller, koordiniert die Ausführung und montiert sie vor Ort. Wenn Sie Ihre Lärmsituation, die Fenstermaße und – falls vorhanden – die Vorgaben aus Ihrem Schallschutznachweis mitschicken, können wir den passenden Aufbau bemaßen und ein konkretes Angebot erstellen, in dem die Werte mit Ctr ausgewiesen sind.

Fazit: Masse ist die Basis, Dämpfung ist der Unterschied

Bis etwa 6 bis 8 mm Scheibendicke ist mehr Masse der günstigste Weg zu mehr Ruhe – und bei mäßiger Lärmbelastung reicht ein asymmetrischer Float-Aufbau völlig aus. Sobald es aber um tieffrequenten Verkehrslärm geht, stößt reine Dicke an eine physikalische Wand: Sie erzeugt Einbrüche, die sie selbst nicht wieder schließen kann. Ab diesem Punkt bringt die viskoelastische Zwischenschicht die Dezibel, die im Alltag hörbar sind – nicht durch Gewicht allein, sondern durch die Kombination aus Masse und geringer Biegesteifigkeit. Bei gleicher Glasmasse trennt genau das die Angebote. Und der Wert, der es sichtbar macht, ist nicht Rw, sondern Rw + Ctr.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Akustik-VSG und einfach dickerem Glas?
Dickeres Glas wirkt über die Masse: mehr Gewicht pro Quadratmeter bedeutet in der Regel mehr Dämmung, allerdings mit abnehmendem Ertrag. Akustik-VSG wirkt zusätzlich über Dämpfung – eine viskoelastische Zwischenschicht verbindet zwei Scheiben elastisch und kombiniert so hohe Masse mit geringer Biegesteifigkeit. Laut BF-Merkblatt 017 verbessert das die Schalldämmung sowohl im unteren als auch im oberen Frequenzbereich deutlich und entschärft den Koinzidenzeinbruch, den dickes Glas selbst erzeugt. Der Unterschied zeigt sich schon bei gleicher Glasmasse: Ein Akustikaufbau kann gegen Stadtverkehr mehrere Dezibel vor einem gleich schweren Float-Aufbau liegen. Beide Prinzipien ergänzen sich, statt sich zu ersetzen – der wirksamste Aufbau kombiniert asymmetrische Glasdicken mit mindestens einer Akustikscheibe.
Bei städtischem Straßenverkehr nicht Rw allein, sondern Rw + Ctr. Der Spektrum-Anpassungswert Ctr nach EN ISO 717-1 korrigiert den Einzahlwert auf ein tieffrequent betontes Spektrum, wie es Stadtverkehr, langsamer Schienenverkehr oder Diskomusik erzeugen. Bei „Rw = 42 dB (-1; -5)“ sind dafür also rechnerisch 37 dB anzusetzen. Aufpassen bei der Quelle: Frei fließender Autobahnverkehr über 80 km/h fällt nach dieser Systematik unter C, nicht unter Ctr. Achten Sie zusätzlich darauf, dass der Wert für das komplette Fenster angegeben ist und nicht nur für die Scheibe – deklariert wird nach EN 14351-1 das Fenster mit Rw (C; Ctr).
Nein. Dreifachglas ist in erster Linie eine thermische Entscheidung. Das BF-Merkblatt 017 hält fest, dass Dreifach-Isolierglas gegenüber Zweifach-Isolierglas bei nominell gleicher Dicke und Masse schalltechnisch etwas ungünstiger ist: Drei Scheiben mit zwei Gaszwischenräumen bilden ein Resonanzsystem, das im tiefen Frequenzbereich Leistung kostet. Ein gut ausgelegtes asymmetrisches Zweifachglas mit Akustik-VSG kann gegen städtischen Verkehrslärm besser abschneiden. Maßgeblich ist immer das Prüfzeugnis des konkreten Aufbaus, nicht die Zahl der Scheiben.

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