Wenn Sie Rollläden nachrüsten oder neu planen, entscheiden Sie sich faktisch für ein Funksystem, das Sie in der Praxis über die gesamte Nutzungsdauer der Anlage begleitet – erfahrungsgemäß deutlich über ein Jahrzehnt. Die wichtigste Trennlinie verläuft nicht zwischen Marken, sondern zwischen einseitiger und bidirektionaler Funkstrecke. Somfy RTS ist das bekannteste einseitige System: Der Sender funkt, der Motor gehorcht – eine Rückmeldung über die tatsächliche Position gibt es nicht. Bidirektionale Systeme wie io-homecontrol, ZigBee, Z-Wave oder Thread (die Funkbasis unter Matter) melden Status und Position zurück.
Daraus folgt die praktische Faustregel: Wollen Sie nur bequem per Handsender fahren, reicht ein einseitiges System. Für einfache Zeit- oder Sonnenbefehle ist eine Rückmeldung nicht zwingend. Eine echte Statusanzeige und Automationen, die von der tatsächlich erreichten Position abhängen, benötigen dagegen bidirektionale Rückmeldung oder einen separaten Positionsnachweis; die konkrete Lösung ist systemabhängig.
Ein einseitiges System kennt keinen Zustand, es kennt nur den letzten gesendeten Befehl. Solange Sie im Zimmer stehen und zusehen, ist das egal. Sobald eine Zentrale automatisch fahren soll, wird es zum Problem: Die App zeigt eine angenommene Position an, keine gemessene. Wurde ein Befehl nicht empfangen – Funkloch, leere Batterie im Sensor, ein Störer auf der Frequenz –, merkt das niemand. Die Automation läuft weiter, als sei alles in Ordnung.
Typische Folgen im Alltag: Die Szene „Abwesend“ fährt fünf Rollläden, vier reagieren; das System meldet trotzdem Erfolg. Oder ein Panzer bleibt oben, während die Anzeige „geschlossen“ sagt. Bidirektionale Systeme quittieren dagegen jeden Befehl und melden Zwischenpositionen zurück – erst dadurch werden Regeln wie „fahre auf 40 %, wenn die Sonne auf die Südfassade steht, aber nur, wenn niemand die Terrassentür geöffnet hat“ überhaupt zuverlässig.
Bestandsanlagen mit einseitigem Funk lassen sich über Bridges an eine Zentrale anbinden. Das ist ein sinnvoller Zwischenschritt und rettet vorhandene Motoren – aber es macht aus einseitigem Funk keinen bidirektionalen. Die fehlende Rückmeldung bleibt, egal wie modern die App aussieht.
Die folgende Einordnung beschreibt die üblichen Merkmale der Systeme, wie sie im Rollladen- und Sonnenschutzbereich eingesetzt werden. Maßgeblich sind im Einzelfall immer die Angaben des jeweiligen Motoren- oder Aktorenherstellers zum konkreten Produkt.
| System | Frequenzbereich | Rückmeldung | Offenheit | Typisch für |
|---|---|---|---|---|
| Somfy RTS | 433,42 MHz | nein (einseitig) | herstellergebunden | große Bestandsbasis, Handsenderbetrieb |
| io-homecontrol | 868–870 MHz (drei Kanäle) | ja (bidirektional, AES-128-verschlüsselt) | geschlossenes Konsortium | Rollladen, Raffstore, Dachfenster im Verbund |
| ZigBee | im Smart Home praktisch immer 2,4 GHz (Mesh) | ja | offener Standard, viele Anbieter | Unterputzaktoren, gemischte Smart-Home-Welten |
| Z-Wave | in Europa im 868-MHz-Band (Hauptkanal 868,42 MHz, Mesh) | ja | Standard mit verpflichtender Zertifizierung | Aktoren im Altbau, dicke Wände |
| Thread / Matter | 2,4 GHz (Thread, IEEE 802.15.4) bzw. WLAN | ja | herstellerübergreifend | Neuplanung, Wechsel der Sprachassistenten |
| Herstellersysteme (z. B. Becker, Rademacher, Warema, Elero, Selve) | meist 433/434 oder 868 MHz | je nach System | herstellergebunden, teils mit Gateway | geschlossene Sonnenschutzanlagen |
Wichtig: Ob Ihr Wunschsystem für Rollladen, Raffstore, Markise oder Screen jeweils denselben Funktionsumfang bietet, steht nicht im Prospekt des Funkstandards, sondern in der Produktdokumentation des Antriebs. Das gilt auch innerhalb einer Marke: Herstellersysteme sind je nach Baureihe einseitig oder bidirektional – etwa bei Becker, wo die ältere Centronic-Linie einseitig arbeitet, CentronicPLUS dagegen bidirektional mit Positionsrückmeldung. Welche Antriebs- und Sonnenschutzvarianten sich sinnvoll kombinieren lassen, sehen Sie in unserer Übersicht der Produkte für Fenster, Türen und Sonnenschutz.
Matter wird oft in einer Reihe mit io oder ZigBee genannt. Technisch ist das schief: Matter ist keine Funktechnik, sondern eine Anwendungsschicht über IP. Gefunkt wird darunter per Thread (2,4 GHz) oder per WLAN; auch Ethernet ist möglich. Matter regelt, dass Geräte verschiedener Hersteller dieselbe Sprache sprechen – nicht, wie weit das Signal durch Ihre Wände kommt.
Praktisch heißt das zweierlei. Erstens: Ein „Matter-Rollladen“ braucht ein Netzwerk, das dazu passt – bei Thread also mindestens einen Thread-Border-Router, der oft in einem Lautsprecher oder einer Zentrale steckt. Er verbindet das Thread-Mesh mit dem übrigen IP-Netz (WLAN oder Ethernet). Zweitens: Viele etablierte Systeme kommen nicht direkt, sondern über eine Bridge zu Matter. Dann hängt der Funktionsumfang davon ab, was die Bridge übersetzt – Auf/Ab und Position meist ja, die Lamellenwinkel-Verstellung eines Raffstores oder Sonderfunktionen häufig nur eingeschränkt. Wer einen Raffstore plant, sollte diesen Punkt ausdrücklich vor der Bestellung schriftlich klären lassen.
Physik schlägt Marketing. Niedrigere Frequenzen (433 und 868 MHz) durchdringen Mauerwerk, Stahlbeton und Dämmebenen besser und kommen mit weniger Wiederholungen über die Distanz. 2,4-GHz-Systeme haben pro Funkstrecke die kürzere Reichweite, gleichen das aber im Mesh aus: Netzbetriebene Geräte wirken als Repeater, das Netz wird mit jedem festen Aktor stabiler. Genau deshalb ist ZigBee oder Thread im Altbau nicht automatisch schlechter – es braucht nur eine ausreichende Dichte an Mesh-Knoten.
Zwei Nebenwirkungen sind einzuplanen. Erstens: Auf 2,4 GHz teilen sich WLAN, Bluetooth und ZigBee/Thread dasselbe Band, weshalb die Kanalwahl im Router mit über die Zuverlässigkeit entscheidet. Zweitens gelten im 868-MHz-Band regulatorische Sendezeitbegrenzungen – der sogenannte Duty Cycle, je nach Teilband 0,1 %, 1 % oder 10 %. Festgelegt wird diese Grenze nicht durch die Gerätenorm, sondern über die Frequenzzuteilung (ECC/ERC-Empfehlung 70-03, in Deutschland umgesetzt durch die Allgemeinzuteilung der Bundesnetzagentur); die zugehörige harmonisierte Norm für die technischen Anforderungen und Prüfverfahren ist ETSI EN 300 220. Bei sehr vielen Geräten und häufigem Funkverkehr kann das eine Rolle spielen. Kritisch wird es ansonsten typischerweise dort, wo Metall im Weg ist: Aluminium-Rollladenkästen, Alu-kaschierte Dämmung, beschichtetes Glas und Stahlbetondecken sind die üblichen Verdächtigen bei „funktioniert überall, nur im Anbau nicht“.
Wie Sie ins Smart Home kommen, hängt vom Ist-Zustand ab. Drei Wege sind üblich:
Zu allen drei Wegen gehört ein Punkt, der sich nicht diskutieren lässt: Arbeiten an der 230-V-Installation gehören in die Hand einer Elektrofachkraft. Vor jedem Eingriff im Kasten oder in der Dose gilt: Sicherung aus, Spannungsfreiheit prüfen, Panzer gegen Absturz sichern. Die konkreten Schritte zum Einlernen und Setzen der Endlagen unterscheiden sich je nach Antriebshersteller – maßgeblich ist immer dessen Anleitung, eine universelle Prozedur gibt es nicht. Wer sich beim Freilegen des Kastens unsicher ist, hört an dieser Stelle auf – ein herausgerissener Panzer kostet mehr als der eingesparte Termin.
Bei windempfindlichen Raffstoren, Screens und Markisen gehört ein Schutzkonzept nach Herstellerangaben in die Planung. Wo ein Windsensor vorgesehen ist, sollte die Sicherheitsfunktion möglichst lokal und unabhängig von Cloud- oder Internetverbindungen wirken; verbindlich sind Produktanleitung und Steuerungskonzept.
Daraus ergibt sich ein oft übersehenes Auswahlkriterium: Prüfen Sie, ob das gewünschte Protokoll Sensoren so einbindet, dass die Schutzfunktion auch bei ausgefallener Zentrale greift. Bei geschlossenen Sonnenschutzsystemen ist das meist der Normalfall, bei generischen Aktoren aus der offenen Welt keineswegs immer. Wer Rollläden und Raffstore mischt, landet deshalb häufig bei zwei Ebenen: der herstellerinternen Sicherheitslogik unten und einer übergeordneten Komfortsteuerung darüber.
Wer diese sechs Punkte vorab beantwortet, trifft eine Entscheidung, die auch dann noch trägt, wenn der heutige Sprachassistent längst durch einen anderen ersetzt wurde. Bewusst nennen wir hier keine Pauschalpreise: Die Spanne zwischen einem Gurtwickler und einer bidirektionalen Anlage mit Wind- und Sonnensteuerung ist so groß, dass jede „Faustzahl“ mehr verschleiert als erklärt – belastbar wird das erst mit Aufmaß, Panzergewichten und der geplanten Anzahl der Antriebe; grobe Größenordnungen zeigt unsere Preisübersicht für elektrische Rollläden und Raffstore.
DBFenster liefert, koordiniert und montiert Rollläden, Raffstore und die zugehörige Antriebstechnik – zusammen mit den Fenstern oder als Nachrüstung im Bestand. In der Praxis heißt das: gemeinsam den Ist-Zustand aufnehmen (Kastentyp, Sturz, Panzer, vorhandene Elektrik), das Protokoll passend zu Ihrem geplanten Ausbaustand festlegen, die Antriebe beim jeweiligen Hersteller beschaffen und die Montage mit den beteiligten Gewerken abstimmen. Die Arbeiten an der 230-V-Seite übernimmt dabei eine Elektrofachkraft.
Wenn Sie unsicher sind, welches System zu Ihrem Haus und Ihrer bestehenden Smart-Home-Welt passt, ist der schnellste Weg ein Blick auf die konkrete Situation: Schreiben Sie uns mit ein paar Fotos von Kasten und Schalterdose, dann lässt sich vorab einschätzen, welche der drei Nachrüstwege bei Ihnen überhaupt offenstehen.
Stand: 17. Juli 2026. Die Angaben zu Frequenzen, Funktionsumfang und Kompatibilität beschreiben den üblichen Stand der Technik; verbindlich sind die Produktunterlagen des jeweiligen Antriebs- oder Aktorenherstellers.