Entscheidend ist: Gealan gehört seit Juli 2014 zur VEKA-Gruppe, ist aber ein eigenständiger Systemgeber mit eigenen Profilserien, eigenen Werkzeugen und eigener Technologiestrategie. Die Profile sind nicht baugleich und nicht untereinander austauschbar. Wer fragt „Gealan oder VEKA – welches Profil ist besser?“, stellt die Frage eine Ebene zu hoch: Vergleichbar sind nicht die Marken, sondern konkrete Serien in konkreten Varianten (zum Beispiel eine 76-mm-Serie mit Anschlagdichtung gegen eine 82-mm-Serie mit Mitteldichtung). Beide Systemgeber decken das gesamte Spektrum vom soliden Standardfenster bis zum hochgedämmten Element ab. Der Preisunterschied im Angebot lässt sich nicht allein aus dem Markennamen erklären, sondern aus Bautiefe, Dichtungsebene, Glasaufbau, Verklebung, Oberfläche, Beschlag – und aus der Fertigungsqualität des Fensterbauers, der das Element herstellt.
Die VEKA AG mit Sitz in Sendenhorst hat zum 1. Juli 2014 sämtliche Anteile der Gealan Fenster-Systeme GmbH (Oberkotzau) übernommen. Seither erscheinen beide Marken in Konzernübersichten nebeneinander – und genau das erzeugt das Missverständnis. Im Extrusionsgeschäft ist eine Übernahme aber vor allem eine unternehmerische, keine technische Vereinheitlichung. Ein Profilsystem besteht aus einer über Jahre gewachsenen Familie von Blendrahmen-, Flügel-, Pfosten- und Zusatzprofilen, dazu Werkzeuge, Dichtungen, Verstärkungen, Beschlagsanbindung, Prüfnachweise und Verarbeitungsrichtlinien. Diese Welten lassen sich nicht sinnvoll zusammenlegen, ohne den Bestand der verarbeitenden Betriebe zu entwerten.
Praktisch bedeutet das: Ein Gealan-Flügelprofil passt nicht in einen VEKA-Blendrahmen. Ein Fensterbauer, der auf eine Serie eingerichtet ist, hat dafür Sägen- und Fräsprogramme, Dichtungen, Verstärkungen und Ecken-Verschweißparameter hinterlegt. Der Wechsel der Marke ist für ihn kein Häkchen in der Kalkulation, sondern eine Umstellung. Deshalb bekommen Sie von den meisten Betrieben genau eine der beiden Marken angeboten – nicht, weil die andere schlechter wäre, sondern weil sie dort nicht verarbeitet wird.
Die Bautiefe (Tiefe des Profils in Millimetern) bestimmt, wie viele Kammern zur Verfügung stehen, wie dick die Scheibe werden darf und in welchem Bereich sich der Uf-Wert des Rahmens bewegt. Sie ist die erste Zahl, die in jedem Angebot stehen muss. Bei VEKA sind die beiden verbreiteten Serien Softline 76 und Softline 82; die Zahl im Namen ist die Bautiefe. Für die maximale Glasdicke gelten laut Systemgeber 48 mm bei Softline 76 und 54 mm bei Softline 82 – jeweils in beiden Dichtungsvarianten. Gealan bespielt mit eigenen Serien ein vergleichbares Tiefenraster: das S 8000 mit 74 mm Bautiefe und das S 9000 mit 82,5 mm.
Die Glasdicke ist kein Detail für Technikfreunde: Ein echter Dreifachaufbau mit zwei ordentlichen Scheibenzwischenräumen oder eine Verbundsicherheitsscheibe für ein absturzsicherndes Element brauchen Platz im Falz. Wer bei knapper Bautiefe ein anspruchsvolles Glas will, landet zwangsläufig bei dünneren Aufbauten – und verschenkt genau den Effekt, für den er bezahlt.
Der Unterschied, der im Alltag mehr ausmacht als der Markenname, ist das Dichtungskonzept. Bei der Anschlagdichtung (AD) liegen zwei Dichtungsebenen an den Anschlägen von Rahmen und Flügel. Bei der Mitteldichtung (MD) kommt eine dritte, umlaufende Dichtung in der Profilmitte hinzu. Sie trennt den kalten Außenbereich vom warmen Innenbereich zusätzlich und schafft eine entwässerte Zone davor.
VEKA führt Softline 76 und Softline 82 jeweils als AD- und als MD-Variante. Gealan deckt beide Konzepte mit eigenen Serien ab – das S 8000 als wirtschaftliche Anschlagdichtungslösung, das S 9000 mit bis zu drei durchgehenden Dichtungsebenen. Das heißt für Sie: „Gealan gegen VEKA“ ist die falsche Gegenüberstellung, wenn in Wahrheit eine AD-Variante gegen eine MD-Variante antritt. Zwei Angebote unterschiedlicher Marken sind erst dann vergleichbar, wenn Bautiefe und Dichtungsebene übereinstimmen.
| Merkmal | Anschlagdichtung (AD) | Mitteldichtung (MD) |
|---|---|---|
| Dichtungsebenen | zwei | drei (zusätzlich umlaufend in der Profilmitte) |
| Trennung warm/kalt | über die Anschläge | zusätzliche Barriere vor dem warmen Bereich |
| Typische Motivation | bewährt, wirtschaftlich, schlanker Aufbau | Dämmung, Fugendichtheit, Schallschutzambition |
| VEKA Softline 76 | verfügbar; Glas bis 48 mm | verfügbar; Glas bis 48 mm |
| VEKA Softline 82 | verfügbar; Glas bis 54 mm | verfügbar; Glas bis 54 mm |
| Gealan | z. B. S 8000 (74 mm) | z. B. S 9000 (82,5 mm) |
Stand: 17. Juli 2026. Bautiefen und Glasdicken nach Angaben der Systemgeber; maßgeblich sind immer die aktuellen Systemunterlagen und die Leistungserklärung des Elementherstellers.
Beide Systemgeber setzen auf das Prinzip, die Scheibe über ein spezielles Klebeband statisch mit dem Flügelprofil zu verbinden. Gealan führt dies unter der Bezeichnung STV® (Statische-Trocken-Verglasung) – und zwar ausdrücklich unter Beibehaltung der gewohnten Verklotzung des Glases; die Verklebung ersetzt das Verklotzen also nicht, sie kommt hinzu. VEKA hält für Softline 76 AD und Softline 82 AD jeweils ein spezielles Flügelprofil für den Einsatz von Klebetechnik bereit. Der technische Gedanke ist derselbe: Die Steifigkeit der Scheibe wird auf den Rahmen übertragen, das Element wird stabiler. Gealan gibt für STV® an, dass sich Standardelemente ganz ohne Stahlverstärkung fertigen lassen, dass zeitaufwändige Ein- und Nachstellarbeiten auf ein Minimum sinken und dass im Mittel bis zu 20 cm mehr Höhe beziehungsweise bis zu 20 % mehr Fläche freigegeben werden. Das sind Angaben des Systemgebers, keine unabhängig geprüften Allgemeinwerte.
Wichtig ist die Einordnung: Verklebung ist eine Fertigungstechnologie des Fensterbauers, kein Automatismus der Marke. Ob Ihr konkretes Element verklebt gefertigt wird, hängt davon ab, ob der Betrieb dafür eingerichtet und freigegeben ist. Es gehört deshalb als eigene Zeile ins Angebot – nicht als Marketingsatz, sondern als Ausführungsmerkmal.
Hier gehen die Häuser am deutlichsten auseinander. Gealan ist bekannt für acrylcolor – dabei wird der weiße PVC-Grundkörper im Koextrusionsverfahren mit PMMA (Acrylglas) zu einem untrennbaren Verbund verschmolzen, statt eine Folie aufzukaschieren. VEKA arbeitet unter anderem mit der lackbasierten, ultramatten SPECTRAL-Oberfläche und mit einem sehr breiten Dekorfolienprogramm (nach Herstellerangaben über 60 Varianten). Beides sind valide Wege zu farbigen Fenstern; sie unterscheiden sich im Aufbau und damit auch darin, wie sie altern und wie sie sich ausbessern lassen.
Für die Entscheidung praxisrelevant ist weniger das Verfahren als die thermische Realität: Dunkle Oberflächen heizen sich in der Sonne stark auf. Bei großen Elementen, Süd- und Westlagen und Kunststoffprofilen ist das ein Thema für Verstärkung, Farbwahl und Freigaben des Systemgebers – und einer der Punkte, an dem sich seriöse Angebote von schnellen unterscheiden. Was in Ihrem Fall zusammenpasst, sortieren wir gemeinsam in der Angebotsphase vor der Beschaffung, bevor irgendetwas bestellt wird.
Der wichtigste Satz zum Thema: Ein Profilsystem ist ein Halbzeug, kein Fenster. Uf-Werte, Bautiefen und Kammerzahlen aus Systemprospekten beschreiben das Profil. Was Sie einbauen, ist ein fertiges Element aus Profil, Glas, Randverbund, Beschlag, Verstärkung und Fertigung. Dessen Eigenschaften erklärt der Elementhersteller – also der Fensterbauer – in der Leistungserklärung (DoP) zur CE-Kennzeichnung. CE und DoP sind dabei eine Erklärung von Leistungswerten, kein Qualitätssiegel und kein Premium-Nachweis; sie sagen, was das Element leistet, nicht dass es gut ist.
Dasselbe gilt für Einbruchhemmung: Widerstandsklassen nach EN 1627 (RC2, RC3) beziehen sich auf das komplette, als Einheit geprüfte Element samt Rahmen, Flügel, Glas, Beschlag und Schließteilen – und sie setzen die vorgeschriebene Befestigung im Baukörper voraus. Ein „RC2-Profil“ gibt es nicht, ebenso wenig macht ein Pilzkopfzapfen allein ein Fenster einbruchhemmend. Auch Glasklassen nach EN 356 (P4A, P5A) beschreiben nur die Scheibe, nicht das Fenster.
Wenn zwei Angebote mit „Gealan“ und „VEKA“ unterschiedlich teuer sind, liegen die Ursachen fast immer in dieser Reihenfolge:
Der letzte Punkt wird regelmäßig unterschätzt. Eine fachgerechte Montage folgt dem gemeinsamen „Leitfaden zur Montage von Fenstern und Haustüren“ von ift Rosenheim und der RAL-Gütegemeinschaft Fenster und Haustüren. Das ist keine Norm, sondern ein Leitfaden, der die anerkannten Regeln der Technik abbildet – und er verlangt eine geplante Anschlussfuge statt eines pauschalen „wir machen RAL-Montage“. Ein Angebot, das die Anschlussebenen beschreibt, ist mehr wert als eines, das ein Markenlogo größer druckt. Welche Fensterlösungen wir in Ihrem Projekt beschaffen, koordinieren und montieren, zeigt unsere Übersicht der Fensterleistungen.
Kommen zwei Anbieter mit identischen Angaben in diesen sechs Punkten und trotzdem sehr unterschiedlichen Preisen, ist der Vergleich erst dann interessant – und dann geht es meist um Fertigung, Logistik und Montageumfang, nicht um die Marke.
Gealan und VEKA sind Konzernschwestern mit getrennten Systemwelten. Es gibt keine belastbare pauschale Aussage „Gealan ist besser als VEKA“ oder umgekehrt – beide liefern Serien, mit denen sich sehr gute Fenster bauen lassen, und beide liefern Serien für das preisbewusste Segment. Die Qualität Ihres Fensters entscheidet sich eine Ebene tiefer: bei Serie, Variante, Glas, Beschlag, Fertigung und Montage.
DBFenster kann Elemente beider Systemwelten beschaffen und montieren. Maßgeblich sind die im Angebot benannte Serie, Variante, Verglasung, Beschlagausstattung, Leistungserklärung und der Montageumfang. Eine Markenempfehlung ist erst sinnvoll, wenn Öffnungsmaße, Ausrichtung, Farbwunsch sowie Schall- und Sicherheitsanforderungen feststehen.