Stand der Förderhinweise: 17. Juli 2026. Angaben zu den Änderungen ab 21. Juli 2026 beruhen auf den bis zu diesem Stichtag veröffentlichten offiziellen Eckpunkten und Übergangshinweisen. Für den Antrag sind ausschließlich die dann geltende Richtlinie und die aktuellen Merkblätter von BAFA beziehungsweise KfW verbindlich.
Im Kern gilt: Fenstersicherungen ohne Bohren sind kein Einbruchschutz im technischen Sinn. Sie können abschreckend wirken, den Griff sperren oder Kinder am Öffnen hindern – aber sie halten dem Aufhebeln nicht stand, weil beim Aufhebeln Kräfte im Kilonewton-Bereich punktuell in ein Bauteil eingeleitet werden. Eine Klebefläche auf einer Kunststoffoberfläche oder eine Klemmung am Flügelfalz kann diese Kräfte konstruktiv nicht ableiten. Deshalb kennt der Anwendungsbereich der DIN 18104 keine Nachrüstsicherung ohne Verschraubung: Die Norm behandelt aufschraubbare (Teil 1) und im Falz eingelassene (Teil 2) Produkte – beide werden kraftschlüssig mit dem tragenden Bauteil verbunden. Wer echten Widerstand will, kommt an einer verschraubten Nachrüstung oder – wirtschaftlich oft sinnvoller – an einem geprüften Element in RC 2 nicht vorbei.
Der typische Einbruch am Fenster ist kein Kunststück, sondern Physik. Ein Schraubendreher oder ein kleines Brecheisen wird zwischen Flügel und Blendrahmen gesetzt, meist auf Höhe des Griffs. Das Werkzeug wirkt als Hebel: Ein paar Kilo Handkraft am langen Ende werden am kurzen Ende zu einem Vielfachen. Was am Verriegelungspunkt ankommt, liegt nicht im Bereich von Kilogramm, sondern von Kilonewton – ein Kilonewton entspricht rund 100 Kilogramm Gewichtskraft.
Die Prüfnormen zur Einbruchhemmung bilden das nach, und zwar arbeitsteilig: DIN EN 1627 legt sieben Widerstandsklassen fest – RC 1 N, RC 2 N, RC 2, RC 3, RC 4, RC 5 und RC 6, wobei das „N“ auf nationale Regelungen verweist –, die zugehörigen Prüfverfahren verteilen sich auf DIN EN 1628 (statische Last), DIN EN 1629 (dynamische Last) und DIN EN 1630 (manueller Einbruchversuch mit definierten Werkzeugsätzen). Bei der statischen Prüfung nach DIN EN 1628 wird das Element mit einem Druckstempel an definierten Stellen belastet – an Flügelecken, Füllungsecken und Verriegelungspunkten. Die Prüfkräfte liegen im Kilonewton-Bereich; für RC 3 nennt Schüco für die Prüfung an mehreren Punkten beispielhaft 6.000 N. Und diese Lasten wirken punktuell, quer zur Fensterebene – also in exakt der Richtung, in der jede Klebeverbindung ihre schwächste Achse hat.
Daraus folgt der entscheidende Satz für die ganze Diskussion: Eine Fenstersicherung muss nicht „festsitzen“, sie muss Kraft in ein tragendes Bauteil weiterleiten. Festsitzen und Kraft ableiten sind zwei völlig verschiedene Dinge.
Moderne Acrylatschaum-Klebebänder (im Handel unter Markennamen wie VHB von 3M) sind technisch beeindruckend. Sie werden im Fahrzeug- und Fassadenbau eingesetzt und tragen bei sauberer Verarbeitung erhebliche Lasten – allerdings vorrangig auf Scherung, großflächig, auf definierten Untergründen und mit kontrollierter Anfangshaftung. Am Fenster stimmt keine dieser Voraussetzungen:
Klemmlösungen haben ein verwandtes Problem. Sie stützen sich auf den Flügelfalz oder auf die Glasleiste ab – also auf Bauteile, die konstruktiv gar nicht dafür vorgesehen sind, Hebelkräfte aufzunehmen. Im günstigen Fall verschiebt sich die Klemmung, im ungünstigen wird die Glasleiste beschädigt und die Scheibe verliert ihre saubere Auflage.
Für nachträgliche Sicherungen gibt es zwei Normteile – und beide decken denselben Bauteiltyp ab. DIN 18104-1 erfasst aufschraubbare Nachrüstprodukte für Fenster und Türen, also sichtbar auf Flügel und Rahmen montierte Bauteile wie Aufschraubsicherungen, Querriegel- oder Stangenschlösser. DIN 18104-2 (aktuelle Ausgabe 2021-12) trägt den Titel „Einbruchhemmende Nachrüstprodukte – Teil 2: Im Falz eingelassene Nachrüstprodukte für Fenster und Türen“ und erfasst Produkte, die im Falz sitzen und im geschlossenen Zustand unsichtbar bleiben, etwa Pilzkopfzapfen-Verriegelungen. Der Unterschied zwischen den beiden Teilen liegt also nicht im Bauteiltyp – Fenster und Türen kommen in beiden vor –, sondern ausschließlich in der Montageart: aufschraubbar (Teil 1) beziehungsweise im Falz eingelassen (Teil 2). Damit gehen Optik, Preis und Montageaufwand auseinander – nicht das Grundprinzip.
Entscheidend ist eine im Prüf- oder Produktnachweis festgelegte Kraftübertragung in einen geeigneten Untergrund. Schon die Titel der Normteile grenzen den Anwendungsbereich auf aufgeschraubte bzw. im Falz eingelassene Bauteile ein; allgemeine Klebe- oder Klemmprodukte ohne passenden Einbruchschutznachweis fallen nicht automatisch unter diese Normteile. Entscheidend ist außerdem der Untergrund: Die Nachrüstung ist immer nur so gut wie die Verschraubung und das Material, in das geschraubt wird – bei Kunststoffprofilen häufig unter Einbindung der Stahlarmierung, sonst über Sonderbefestigungen wie Durchschraubungen oder Verbundmörtel. Wenn Ihnen also ein Produkt begegnet, das mit „geprüft nach DIN 18104″ und „ohne Bohren“ gleichzeitig wirbt, lohnt der Blick ins Prüfzeugnis: In aller Regel bezieht sich die Prüfung dann auf einen anderen Aspekt – oder es gibt sie schlicht nicht.
| Kriterium | Klebe-/Klemmlösung | Verschraubte Nachrüstung (DIN 18104-1/-2) | Geprüftes Element RC 2 (EN 1627) |
|---|---|---|---|
| Geprüfter Widerstand gegen Aufhebeln | nein | ja, produktbezogen | ja, für das komplette Element |
| Krafteinleitung in tragendes Bauteil | keine | über Verschraubung | über Beschlag und Verankerung im Baukörper |
| Eingriff in die Bausubstanz | keiner | Bohrungen im Rahmen | kompletter Austausch |
| Wirkung gegen Glasdurchgriff | nur bei abschließbarem Griff | je nach Produkt | ja bei RC 2 (mit P4A-Verglasung nach EN 356); bei RC 2 N ist die Verglasung frei wählbar |
| Sinnvoll als Kindersicherung | ja | ja | ja, aber überdimensioniert |
| Rückstandsfrei entfernbar | meist nicht (Folienschäden) | nein | entfällt |
Ein Detail aus der Tabelle verdient Hervorhebung: Auch der beste abschließbare Griff und die beste Nachrüstsicherung machen aus einem Fenster keine Widerstandsklasse. RC nach EN 1627 gilt für das komplette, als Einheit geprüfte Element – Blendrahmen, Flügel, Verglasung, Beschlag und Schließteile zusammen, im fachgerecht eingebauten Zustand. Ein einzelnes nachgerüstetes Bauteil erhöht den Widerstand, aber es vergibt keine Klasse.
Nichts davon heißt, dass diese Produkte wertlos sind – sie lösen nur eine andere Aufgabe, als der Name suggeriert. Sinnvoll sind sie in drei Situationen:
Was bei einem geprüften Element hingegen wirklich zählt, sind die Eigenschaften des ganzen Bauteils – Rahmen, Beschlag und Verglasung im Zusammenspiel. Wer verstehen möchte, welche Rolle Profilsystem, Bautiefe und Beschlagtechnik dabei spielen, findet die technischen Grundlagen in unserer Übersicht zu Fenstern und ihren Systemeigenschaften.
Der eigentliche Grund für die Suche nach „ohne Bohren“ ist meistens nicht Bequemlichkeit, sondern das Mietverhältnis. Die grobe Linie: Der Austausch eines Fenstergriffs gegen ein abschließbares Modell ist ein Zubehörteil und beim Auszug rückbaubar. Sobald in Rahmen oder Mauerwerk gebohrt wird, greifen Sie in die Bausubstanz ein – und dafür brauchen Sie die Zustimmung der Vermieterseite.
Der praktische Ratschlag lautet daher: Fragen Sie, bevor Sie kleben. Viele Vermieter stimmen einer verschraubten Nachrüstung zu, weil sie den Wert der Immobilie erhöht und keinen Schaden hinterlässt, den ein Fachbetrieb nicht beheben könnte. Das ist rechtlich einzelfallabhängig und ersetzt keine Rechtsberatung – aber es ist der Weg, der überhaupt zu einer wirksamen Lösung führt.
Ein direkter Zuschuss allein für Einbruchschutz steht derzeit nicht zur Verfügung: Das frühere KfW-Zuschussprogramm 455-E wird nicht mehr angeboten; die KfW verweist für Einbruchschutzmaßnahmen auf den zinsgünstigen Kredit „Altersgerecht Umbauen“ (159). Relevanter ist für viele der steuerliche Weg: Bei der energetischen Sanierung nach § 35c EStG gilt für Fenster, Balkon- und Terrassentüren grundsätzlich ein Höchstwert von Uw ≤ 0,95 W/(m²K) – für barrierearme oder einbruchhemmende Ausführungen nennt Anlage 4 der ESanMV jedoch einen abweichenden Höchstwert von 1,1 W/(m²K); einbruchhemmend heißt dort Widerstandsklasse RC 2 nach DIN EN 1627 oder besser. Sicherheit und Energieeffizienz schließen sich also nicht aus, sondern lassen sich im selben Projekt bündeln. Stand: 17. Juli 2026 – prüfen Sie den aktuellen Stand vor der Beauftragung bei BAFA, KfW und Ihrem Steuerberater, zumal die BEG-Bedingungen zum 21. Juli 2026 neu gefasst werden.
Die ehrliche Reihenfolge sieht so aus:
Wenn Sie wissen möchten, was in Ihrem konkreten Fall die wirtschaftlichere Variante ist – Nachrüsten oder Tauschen –, nehmen wir Ihre Fenstersituation auf, koordinieren die Beschaffung und die fachgerechte Montage: Der Weg dorthin führt über eine unverbindliche Aufnahme Ihres Projekts, in der wir Bestand, Beschlag und Erreichbarkeit gemeinsam durchgehen.
„Ohne Bohren“ ist ein Verkaufsargument, kein Sicherheitskonzept. Wer sein Fenster gegen Aufhebeln schützen will, braucht eine kraftschlüssige Verbindung zum tragenden Bauteil – und die entsteht durch eine Schraube, nicht durch einen Klebestreifen. Als Kindersicherung oder als sichtbares Abschreckungssignal haben diese Produkte ihre Berechtigung. Als Einbruchschutz haben sie keinen normativen Widerstand, und diesen Unterschied sollte man kennen, bevor man sich darauf verlässt.