Stand der Förderhinweise: 17. Juli 2026. Angaben zu den Änderungen ab 21. Juli 2026 beruhen auf den bis zu diesem Stichtag veröffentlichten offiziellen Eckpunkten und Übergangshinweisen. Für den Antrag sind ausschließlich die dann geltende Richtlinie und die aktuellen Merkblätter von BAFA beziehungsweise KfW verbindlich.
Entscheidend ist: Argon ist bei üblichen Isolierglasaufbauten meist die wirtschaftliche Standardfüllung; Krypton kann bei schmalen Scheibenzwischenräumen Vorteile bieten. Die Wirkung hängt jedoch zugleich von Beschichtung, Füllgrad, Scheibenzahl, Abständen und Rechenrandbedingungen ab. Entscheidend sind deshalb der deklarierte Ug-Wert und der vollständige Aufbau des konkret angebotenen Glases, nicht eine allgemeine Millimeterregel.
Der Wärmedurchgang durch eine Isolierglaseinheit läuft über drei Wege: Strahlung, Wärmeleitung und Konvektion. Die Strahlung wird von der Low-E-Beschichtung (niedrig emittierende Metallschicht auf dem Glas) gebremst — das ist der größte Hebel, und dafür ist kein Gas zuständig. Übrig bleiben Wärmeleitung und Konvektion, und genau hier greift die Füllung.
Edelgase leiten Wärme deutlich schlechter als Luft. Sie sind außerdem schwerer und träger, wodurch die Walzenströmung im Zwischenraum später einsetzt. Beide Effekte zusammen ergeben den Gewinn beim Ug-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient der Verglasung, rechnerisch ermittelt nach DIN EN 673). Wichtig ist die Reihenfolge: Beschichtung zuerst, Gas danach, Randverbund parallel. Wer beim Gas optimiert, aber eine mittelmäßige Beschichtung akzeptiert, hat an der falschen Stelle gedreht.
Die folgende Übersicht zeigt die Größenordnungen. Die Zahlen sind Richtwerte für übliche Randbedingungen; maßgeblich für ein konkretes Produkt ist immer die Berechnung des Glasherstellers für den tatsächlichen Aufbau.
| Füllung | Wärmeleitfähigkeit (Richtwert) | Günstigster Scheibenzwischenraum | Kosten | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|---|
| Luft | rund 0,026 W/(m·K) | ca. 15–16 mm | keine | heute praktisch nur noch in Innenverglasungen |
| Argon | rund 0,018 W/(m·K) | ca. 14–16 mm | gering, faktisch Standard | Zwei- und Dreifachglas im Regelfall |
| Krypton | rund 0,0095 W/(m·K) | ca. 10–12 mm | ein Vielfaches von Argon | schmale Aufbauten, Sanierung, Sonderkonstruktionen |
| Xenon | rund 0,0055 W/(m·K) | ca. 8 mm | sehr hoch | Exot, im Wohnungsbau kaum anzutreffen |
Auf den ersten Blick scheint die Sache klar: Krypton leitet Wärme nur etwa halb so gut wie Argon, also müsste es doch überall gewinnen. Der Haken steht in der dritten Spalte.
Jedes Gas hat ein Optimum. Wird der Zwischenraum zu schmal, dominiert die reine Wärmeleitung von Scheibe zu Scheibe — der Ug-Wert verschlechtert sich. Wird der Zwischenraum zu breit, beginnt das Gas zu zirkulieren: Es steigt an der warmen Scheibe auf, sinkt an der kalten ab und transportiert Wärme mit. Auch dann verschlechtert sich der Ug-Wert wieder. Dazwischen liegt ein Minimum — und dieses Minimum liegt bei jedem Gas an einer anderen Stelle.
Krypton ist schwerer und träger, sein Konvektionsbeginn liegt deshalb bei kleineren Abständen. Sein Optimum liegt grob bei 10 bis 12 mm. Argon konvektiert später, sein Ug-Minimum liegt grob bei 14 bis 16 mm. Wie stark sich das auswirkt, zeigt der Blick in eine Ug-Tabelle nach DIN EN 673 für Zweifachglas mit Wärmeschutzbeschichtung — dieselbe Beschichtung, dieselben zwei Scheiben, variiert wird nur der Zwischenraum und das Gas:
| Aufbau 4/SZR/4 mit Wärmeschutzbeschichtung | Ug mit Argon (90 %) | Ug mit Krypton (92 %) | Vorsprung Krypton |
|---|---|---|---|
| 16 mm Scheibenzwischenraum | rund 1,1 W/(m²K) | rund 1,1 W/(m²K) | kein Vorsprung |
| 12 mm Scheibenzwischenraum | rund 1,3 W/(m²K) | rund 1,0 W/(m²K) | rund 0,3 W/(m²K) |
| 10 mm Scheibenzwischenraum | rund 1,4 W/(m²K) | rund 1,0 W/(m²K) | rund 0,4 W/(m²K) |
Tabellenwerte nach DIN EN 673 für einen gängigen Wärmeschutzaufbau; der konkrete Wert hängt von Beschichtung, Füllgrad und Hersteller ab und steht in dessen Berechnung.
Die Tabellenwerte veranschaulichen nur einen festgelegten Beispielaufbau. Aus ihnen lässt sich weder für jede Beschichtung noch für jedes Drei- oder Zweischeibenglas ein identischer Vorteil ableiten; verbindlich ist die Berechnung beziehungsweise Deklaration des Glasherstellers.
Umgekehrt gilt: Sind nur 10 oder 12 mm möglich, bricht Argon spürbar ein — auf rund 1,4 beziehungsweise 1,3 W/(m²K) —, während Krypton bei rund 1,0 W/(m²K) bleibt und dort sogar besser dasteht als jede der beiden Varianten bei 16 mm. Genau das ist der Punkt: Krypton holt im schlanken Aufbau 0,3 bis 0,4 W/(m²K) heraus, und erst dieser Abstand begründet die Investition überhaupt.
Krypton ist ein Werkzeug für Platzmangel, nicht für Leistungssteigerung. Diese Konstellationen kommen in der Praxis vor:
Ein Nebeneffekt geht dabei oft unter: Eine schmalere Einheit ist leichter. Bei großen Flügeln entlastet das Beschläge und Bänder. Das ist ein echtes Argument — aber ein konstruktives, kein energetisches.
Konkrete Eurobeträge lassen sich seriös nicht pauschal nennen: Krypton kommt in der Atmosphäre nur in verschwindend geringen Mengen vor, seine Gewinnung ist entsprechend energieintensiv, der Preis schwankt stark, und der Aufpreis hängt von Fläche, Aufbau, Stückzahl und Lieferant ab. Belastbar ist nur die Relation — Krypton kostet pro Einheit ein Vielfaches von Argon, und Argon, das aus der Luft gewonnen wird und dort rund ein Prozent ausmacht, ist so günstig, dass es faktisch zum Standardaufbau gehört.
Deshalb die entscheidende Gegenfrage: Wofür würden dieselben Mittel mehr Wirkung entfalten? In aller Regel für diese drei Punkte:
Ob eine Einheit tatsächlich mit Krypton gefüllt ist, sehen Sie ihr nicht an. Nachvollziehbar ist es über die Herstellerangaben zum Aufbau und die Leistungserklärung (DoP) mit CE-Kennzeichnung. Wichtig zur Einordnung: CE und DoP sind eine Erklärung von Leistungswerten, kein Qualitäts- oder Premiumsiegel. Der Hersteller erklärt darin deklarierte Eigenschaften — er verspricht damit nicht „hochwertig“, sondern „so und so ermittelt“.
DIN EN 1279-3 beschreibt ein beschleunigtes Prüf- und Auswerteverfahren für gasgefüllte Isolierglassysteme. Der dort bestimmte Grenzwert ist keine Zusage eines konstanten jährlichen Feldverlusts und erlaubt keine lineare Restgasprognose für eine eingebaute Scheibe. Maßgeblich sind der geprüfte Systemaufbau, Fertigungsqualität und reale Einbaubelastung.
Zwei Randbemerkungen: Beim Schallschutz ist die Gasfüllung ein Nebenschauplatz — dort entscheiden asymmetrische Glasdicken, Verbundglas mit geeigneter Zwischenschicht und der Gesamtaufbau. Und das früher zu Schallschutzzwecken eingesetzte SF6 ist in Isolierglas EU-weit nicht mehr zulässig; es ist ein hochwirksames Treibhausgas und fällt unter die F-Gas-Regulierung.
Stand: 17. Juli 2026 — Förderbedingungen ändern sich; verbindlich sind ausschließlich die offiziellen Unterlagen von BAFA und KfW sowie der Gesetzestext. Für Ihren konkreten Fall ziehen Sie bitte einen Energieberater hinzu.
Kein Förderprogramm fragt danach, welches Edelgas in Ihrer Scheibe steckt. Gefordert wird ein Wert am fertigen Fenster. Beim Steuerbonus nach § 35c EStG (Anlage 4 ESanMV) gilt für Fenster sowie Balkon- und Terrassentüren im Regelfall Uw ≤ 0,95 W/(m²K); höhere Grenzwerte von 1,1 W/(m²K) sind ausdrücklich für Sonderfälle vorgesehen — etwa barrierearme oder einbruchhemmende Elemente sowie bestimmte Sonderverglasungen. Bei den BEG-Einzelmaßnahmen des BAFA liegt das förderfähige Mindestinvestitionsvolumen bei 300 Euro brutto; die früher kursierenden 2.000 Euro stammen aus einer älteren BEG-Fassung.
Wichtig für die Terminplanung: Nach den am 17. Juli 2026 vorliegenden offiziellen Übergangshinweisen sollen für Anträge ab dem 21. Juli 2026 neue BEG-Bedingungen gelten — ab diesem Tag nehmen KfW und BAFA Anträge ausschließlich nach den neuen Regeln an; die alten Bedingungen gelten bis einschließlich 20. Juli 2026, mit Vertrauensschutz für bereits vorliegende Vorgänge. Und seit 2024 gilt beim BAFA: Zum Zeitpunkt der Antragstellung muss bereits ein Liefer- oder Leistungsvertrag mit aufschiebender oder auflösender Bedingung der Förderzusage vorliegen. Wer Fördermittel einplant, sollte diese Reihenfolge früh klären, statt sie im Nachhinein reparieren zu wollen.
Ein häufiges Missverständnis noch: Die oft zitierte Passivhaus-Anforderung Uw,eingebaut ≤ 0,85 W/(m²K) ist kein universeller Wert. Das Passivhaus Institut zertifiziert klimazonenabhängig; 0,85 gilt für die kühl-gemäßigte Zone (mitteleuropäisches Klima), andere Zonen haben andere Grenzwerte. Wer damit argumentiert, sollte die Zone mitnennen.
Wir bei DBFenster beschaffen, liefern und montieren die Elemente und koordinieren die Abstimmung mit dem Glas- und Systemlieferanten — die Gasfrage klären wir am konkreten Aufbau und nicht am Prospekt. Wenn Sie Ihr Vorhaben durchrechnen lassen möchten, nennen Sie uns Bautiefe, gewünschten Uw und die Randbedingungen der Baustelle; auf dieser Basis lässt sich ein belastbares Angebot erstellen, in dem der Glasaufbau nachvollziehbar aufgeschlüsselt ist.
Fazit: Krypton ist kein pauschal „besseres“ Argon, sondern eine mögliche Lösung für bestimmte Geometrien. Vergleichen Sie vollständige Glasaufbauten mit demselben Zielwert und lassen Sie Ug, Gasart, Füllgrad, Beschichtung und Zwischenräume schriftlich ausweisen.