Wenn Sie sich zwischen einer außenliegenden Markise und einer Unterglasmarkise entscheiden, entscheiden Sie nicht über Optik, sondern über Physik. Außenliegender Sonnenschutz fängt die Sonnenenergie ab, bevor sie durch das Glas kommt. Innenliegende Systeme – dazu zählt die Unterglasmarkise technisch – lassen die Strahlung erst ins Glas und bremsen die Wärme erst danach. Ein Teil davon bleibt im Wintergarten. Deshalb gilt: Wer im Hochsommer eine spürbar niedrigere Raumtemperatur will, kommt an einer außenliegenden Lösung kaum vorbei. Die Unterglasmarkise ist trotzdem nicht sinnlos – sie ist witterungsgeschützt, ganzjährig nutzbar, blendfrei und deutlich unempfindlicher gegen Wind. Sie löst das Blendproblem zuverlässig und das Hitzeproblem nur teilweise.
Der Rest dieses Artikels ordnet beide Systeme technisch ein: was die Physik hergibt, wo die Grenzen liegen, was Wind und Schnee erzwingen und wann eine Kombination die ehrlichere Lösung ist. Stand: Juli 2026.
Sonnenstrahlung erreicht das Glasdach überwiegend als kurzwellige Strahlung. Glas ist dafür weitgehend durchlässig – genau das ist ja der Sinn eines Wintergartens. Trifft diese Strahlung auf ein Gewebe, das unter dem Glas hängt, wird sie dort absorbiert. Das Tuch erwärmt sich und gibt die Energie wieder ab: als langwellige Wärmestrahlung und als Konvektion, also über die aufsteigende warme Luft. Für langwellige Strahlung ist Glas jedoch nahezu undurchlässig. Die Wärme sitzt also bereits in der Falle – im Zwischenraum zwischen Glas und Tuch, und von dort im Raum. Das ist der klassische Treibhauseffekt im Kleinformat.
Hängt dasselbe Gewebe über dem Glas, passiert die Umwandlung von Strahlung in Wärme außerhalb der Hülle. Die erwärmte Luft steigt an der Außenseite auf und wird vom Wind abgeführt. Nur ein kleiner Rest gelangt überhaupt an die Scheibe. Diesen Unterschied kann kein noch so hochwertiges Innengewebe vollständig ausgleichen – er ist bauphysikalisch angelegt.
Beschrieben wird die Wirkung über den Fc-Wert, den Abminderungsfaktor des Sonnenschutzes. Er sagt, welcher Anteil des Energiedurchlasses der Verglasung (g-Wert) nach dem Vorsetzen des Sonnenschutzes übrig bleibt. Fc = 0,25 bedeutet: rund ein Viertel der Energie kommt noch an. Fc = 0,7 bedeutet: rund 70 Prozent kommen an.
Die folgenden Größenordnungen sind die Anhaltswerte der DIN 4108-2 in der Fassung 2013-02 (Tabelle 7) für den sommerlichen Wärmeschutz. Zwei Einschränkungen dazu, die man kennen muss: Erstens sind das pauschale Rechenwerte für den Nachweis, keine Produktversprechen – für ein konkretes System gilt der produktspezifische Nachweis (Ermittlung des Gesamtenergiedurchlassgrades der Kombination Glas + Sonnenschutz nach DIN EN ISO 52022-3, früher DIN EN 13363-2). Zweitens ist im Mai 2026 die Ausgabe DIN 4108-2:2026-05 erschienen, die die Fassung 2013-02 ersetzt und die Fc-Anhaltswerte neu gliedert (unter anderem mit eigenen Werten für zwischen den Scheiben liegende Systeme); für einen Nachweis ist die jeweils maßgebende Fassung heranzuziehen. Für Unterglasmarkisen gibt die Tabelle keinen eigenen Wert her – sie sind wie innenliegende Systeme einzuordnen, und die Spannweite ist je nach Gewebe, Farbe und Beschichtung groß.
| Kriterium | Außenliegende Markise (Aufdach) | Unterglasmarkise |
|---|---|---|
| Position der Wärmeumwandlung | außerhalb der Verglasung | innerhalb der Verglasung |
| Fc-Größenordnung (Anhaltswerte DIN 4108-2:2013-02) | ca. 0,25–0,30 – aber nur für die Markise parallel zur Verglasung; als Vordach bzw. frei ausgestellt nur ca. 0,50–0,55, und dieser Wert gilt laut Norm nur unter der Bedingung, dass keine direkte Besonnung des Fensters erfolgt | wie innenliegend einzuordnen: ca. 0,65 (weiß/hochreflektierend) bis 0,90 (dunkle Farben) |
| Wirkung gegen Aufheizen | hoch | begrenzt – Restwärme bleibt unter dem Glas |
| Wirkung gegen Blendung | hoch | hoch |
| Windempfindlichkeit | hoch – Windschutz beziehungsweise automatische Einfahrt nach Produkt- und Planungsvorgabe | keine – Tuch liegt geschützt |
| Verschmutzung, Laub, Schnee | direkt betroffen, Reinigung nötig | geschützt, wartungsarm |
| Ganzjährige Nutzbarkeit | eingeschränkt (Wind, Schnee, Frost) | ganzjährig |
| Zusatznutzen im Winter | gering | reduziert nachts die Abstrahlung nach oben |
| Investition | höher (Statik, Antrieb, Sensorik) | meist günstiger |
| Einfluss auf die Dachkonstruktion | Befestigung, Windlasten, ggf. Statiknachweis | Führung in bzw. an den Sparren, geringere Lasten |
Lesen Sie die Tabelle nicht als Punktesieg. Sie zeigt zwei Systeme mit unterschiedlichen Aufgaben. Die außenliegende Markise ist ein Wärmeschutz, die Unterglasmarkise primär ein Blend- und Komfortelement mit thermischer Teilwirkung. Und beachten Sie die Fußnote in der Fc-Spalte: Der gute Wert der Außenmarkise hängt daran, dass sie parallel zur Scheibe geführt wird. Eine weit ausgestellte Gelenkarmmarkise, die eher wie ein Vordach wirkt, landet in der Norm in einer deutlich schlechteren Zeile (ca. 0,50–0,55) – und selbst dieser Wert setzt voraus, dass das Fenster gar nicht direkt besonnt wird. Die Norm beziffert das über den Abdeckwinkel: bei Südorientierung näherungsweise ab rund 50 Grad, bei Ost- und Westorientierung erst ab rund 85 Grad. Eine Markise, die die Scheibe nur halb überdeckt, verdient diesen Tabellenwert also gar nicht.
Die Stärke ist eindeutig: Sie schneiden die Energie ab, bevor sie zum Problem wird. In einem südorientierten Glasdach ist das der Unterschied zwischen einem nutzbaren Raum und einem Raum, den Sie von Mai bis September nur morgens betreten.
Die Grenzen sind ebenso eindeutig und werden im Verkaufsgespräch gern kleingeredet:
Bei einer Aufdachmarkise ist die Sensorik Teil des Schutzkonzepts, nicht eine Komfortoption, die man beim Sparen zuerst streicht. Ist nach Herstelleranleitung oder Schutzkonzept eine Windüberwachung vorgesehen, muss sie mit dem Grenzwert des konkreten Produkts abgestimmt werden und den Behang rechtzeitig einfahren. Eine allgemeine gesetzliche Sensorpflicht folgt daraus nicht.
Prüfen Sie außerdem, ob die Steuerung eine Notauf-Position bei Stromausfall vorsieht und ob die Windschwelle einstellbar ist. Werkseinstellungen sind Kompromisse für den Durchschnittsstandort; ein freistehender Wintergarten im offenen Gelände braucht eine andere Schwelle als einer im geschützten Innenhof. Und: Bei Arbeiten an Antrieb oder Behang gilt immer erst die 230-V-Zuleitung freischalten, dann anfassen – Rohrmotoren fahren auf ein Funksignal hin an, auch ohne Vorwarnung. Sichern Sie den Behang gegen unbeabsichtigtes Abrollen und halten Sie sich an die Anleitung des jeweiligen Antriebsherstellers; die Verriegelungen und Einstellwege unterscheiden sich von Fabrikat zu Fabrikat. Wenn Sie an dieser Stelle unsicher werden: aufhören und den Antriebs- oder Sonnenschutzfachbetrieb holen.
Die Unterglasmarkise wird häufig als „Sonnenschutz light“ abgetan. Das wird ihr nicht gerecht – nur ihre Aufgabe ist eine andere.
Sie beseitigt Blendung zuverlässig, macht Bildschirmarbeit und Lesen unter dem Glasdach überhaupt erst möglich und nimmt dem Raum die grelle Härte. Sie ist witterungsgeschützt, damit wartungsarm und ganzjährig verfügbar – auch am windigen Apriltag, an dem die Aufdachmarkise längst eingefahren ist. Und sie hat einen Effekt, den die Außenlösung nicht bietet: In der kalten Jahreszeit reduziert das geschlossene Tuch die nächtliche Wärmeabstrahlung nach oben und dämpft den Kaltluftabfall unter dem Glas. Das ist kein Ersatz für gute Verglasung und ersetzt keinen bauphysikalischen Nachweis, kann aber ein spürbarer Komfortgewinn sein.
Thermisch bleibt die Einschränkung bestehen: Die Wärme entsteht unter dem Glas. Ein Teil davon steigt in den Luftraum zwischen Tuch und Scheibe – dieser Bereich kann sich deutlich aufheizen. Deshalb sind zwei Dinge entscheidend: ein Gewebe mit heller, reflektierender Oberseite (je mehr Strahlung zurückgeworfen statt absorbiert wird, desto besser) und eine funktionierende Entlüftung dieses Zwischenraums, typischerweise über Firstlüftung oder Dachlüfter. Ohne Abluft am höchsten Punkt sammelt sich die Wärme genau dort, wo sie niemandem nützt.
Bei innenliegenden und Unterglas-Systemen macht das Tuch den Unterschied zwischen „hilft ein bisschen“ und „hilft messbar“. Entscheidend ist nicht die Farbe, die Sie von unten im Raum sehen, sondern die zur Sonne gerichtete Oberseite des Behangs. Ein Gewebe mit heller oder metallisch bedampfter Oberseite wirft einen erheblichen Teil der Strahlung zurück durch das Glas nach draußen, statt sie in Wärme umzuwandeln. Genau diesen Unterschied bildet auch die Norm ab: Zwischen einem hellen, hochreflektierenden und einem dunklen Behang liegen in den Anhaltswerten rund 0,65 gegenüber 0,90 – ein dunkles, blickdichtes Tuch sieht innen edel aus, heizt sich auf und wird selbst zum Heizkörper über Ihrem Kopf. Optisch angenehm, thermisch das Gegenteil.
Fragen Sie den Lieferanten deshalb nach den Gewebekennwerten nach DIN EN 14501 – dort werden thermischer und visueller Komfort klassifiziert, unter anderem Blendschutz und Sichtkontakt nach außen, in Stufen von 0 (sehr geringer Effekt) bis 4 (sehr guter Effekt) – und lassen Sie sich den Wert für die konkrete Kombination aus Ihrer Verglasung und dem gewählten Behang nennen, nicht einen Datenblattwert für irgendein Referenzglas.
Der häufigste Fehler bei der Wintergartenplanung: Die Beschattung soll reparieren, was Glas und Lüftung falsch gemacht haben. Drei Stellschrauben wirken zusammen:
Noch ein Hinweis zur Konstruktion selbst: Bei Überkopfverglasung – als solche gilt eine Verglasung, die mehr als 10 Grad gegenüber der Vertikalen geneigt ist, ein Glasdach also immer – gelten die Bemessungs- und Konstruktionsregeln der DIN 18008, für linienförmig gelagerte Dachverglasungen insbesondere Teil 2. Für die untere Scheibe eines Mehrscheiben-Isolierglases ist dort Verbund-Sicherheitsglas (VSG) mit PVB-Folie die Regelanforderung, weil die Splitter im Bruchfall an der Folie haften bleiben. Wer über Beschattung nachdenkt, sollte parallel prüfen lassen, ob der Aufbau des vorhandenen Dachs dem entspricht.
Für Senkrechtflächen gilt dieselbe Logik in einfacherer Form: Außenliegende Raffstores oder Rollläden schlagen innenliegende Rollos thermisch deutlich – in den für den Nachweis verwendbaren Anhaltswerten liegen außenliegende Raffstores und Rollläden bei rund 0,25 bis 0,35 (Rollladen ¾ geschlossen bzw. Raffstore in 45°-Lamellenstellung), innenliegende bei 0,65 bis 0,90. Die noch niedrigeren Tabellenwerte für vollständig geschlossene Systeme dienen laut Norm ausdrücklich nur der Information und dürfen für den Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes nicht angesetzt werden – wer Ihnen also mit 0,10 oder 0,15 rechnet, rechnet mit einem Zustand, in dem Sie im Sommer im Dunkeln sitzen. Die Windproblematik ist hier jedoch geringer, weil das Behangpaket geführt ist.
Wir beschaffen, koordinieren und montieren die Elemente – Fenster, Türen, Schiebesysteme und den zugehörigen Sonnenschutz – und stimmen die Schnittstellen aufeinander ab: Führungsschienen, Antriebe, Leerrohre, Anschlüsse an die Bauanschlussfuge. Genau an diesen Schnittstellen entstehen die meisten späteren Probleme, weil Fensterbauer, Sonnenschutzlieferant und Elektriker jeweils nur ihr Gewerk sehen. Wenn Sie eine konkrete Einschätzung für Ihr Dach brauchen – Orientierung, Fläche, vorhandene Konstruktion, Windlage –, schildern Sie uns die Situation über das unverbindliche Angebotsformular; wir sagen Ihnen offen, welches System technisch trägt und welches Ihnen nur Geld kostet.
Ein letzter Punkt zur Erwartungshaltung: Kein Sonnenschutz macht aus einem Glasdach eine gedämmte Decke. Ein Wintergarten bleibt ein Raum mit hohem Glasanteil und entsprechender Dynamik. Realistisch geplant ist er der schönste Raum im Haus – falsch beschattet ist er von Juni bis August eine Abstellkammer.